11.08.2020, Russland, Moskau: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) steigt aus dem Flugzeug.

Mehr als eine Woche nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut besucht Bundesaußenminister Heiko Maas am Mittwoch den Ort der Katastrophe. Bei dem eintägigen Aufenthalt in der libanesischen Hauptstadt will der SPD-Politiker über wirtschaftliche Hilfe für das Land am Mittelmeer sprechen und gleichzeitig für Reformen werben, die auch von vielen Libanesen gefordert werden.
„Das Land braucht jetzt einen kraftvollen Aufbruch und es braucht tiefgreifende wirtschaftliche Reformen“, sagte Maas vor seinem Abflug aus Berlin. „Nur so wird der Libanon seine Jugend für eine gute Zukunft gewinnen, nur so wird das nötige Vertrauen aufgebaut.“ Bei der schweren Explosion am Dienstag vergangener Woche waren mindestens 165 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden. Am Dienstagabend beteiligten sich Tausende Libanesen an einem Trauermarsch.
Maas will in der Hauptstadt Beirut mit Präsident Michel Aoun, Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und mit Hilfsorganisationen sprechen. Deutschland hatte am Wochenende 20 Millionen Euro für die Bewältigung der Folgen der Katastrophe zugesagt. „Wir wollen unsere Hilfe mit den Vereinten Nationen und über erfahrene Hilfsorganisationen schnell nach Beirut direkt zu den Menschen bringen“, versprach Maas.
Ausgelöst worden sein soll die Detonation durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert wurden. Große Teile des Hafens und umliegender Wohngebiete wurden zerstört. Auch die deutsche Botschaft wurde schwer beschädigt. Eine deutsche Diplomatin starb. Weitere Mitarbeiter der Botschaft wurden verletzt. Maas will auch mit Botschaftsangehörigen zu sprechen, die ihre Wohnungen verloren haben.
Regierung zurückgetreten
Maas besucht das Land inmitten einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Als Reaktion auf die Explosion und gewaltsame Proteste gegen die Regierung hatte Premierminister Hassan Diab am Montag den Rücktritt des Kabinetts erklärt. Präsident Aoun muss nun mit den wichtigsten politischen Blöcken über einen Nachfolger verhandeln. Aufgrund starker Interessengegensätze hat es im Libanon oft lange gedauert, Spitzenämter zu besetzen. Wegen der schweren Wirtschaftskrise, der Corona-Pandemie und den Folgen der Detonation ist der Druck jedoch groß, schnell eine Einigung zu finden.
Am Dienstagabend zogen Tausende schweigend in Richtung Hafen, wie Augenzeugen berichteten. Einige trugen weiße Rosen, andere hatten Tränen in den Augen. Bei einer Gedenkveranstaltung wurden die Namen der Todesopfer verlesen. „Ich bin sprachlos. Wir haben unser wunderschönes Beirut verloren“, sagte eine Frau namens Randa, die durch die Katastrophe obdachlos wurde. „Wir werden aus den Trümmern wieder auferstehen“, riefen andere. Viele Libanesen machen die politische Führung und die weit verbreitete Korruption für die Explosion und die Wirtschaftskrise verantwortlich.

DPA