Ein Bildausschnitt aus einem Video, das am 28. September 2020 auf der offiziellen Website des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellt wurde, zeigt angeblich einen aserbaidschanische Artillerieschüße gegen Positionen armenischer Truppen in der besetzten Region Berg-Karabach. (AFP)


Ankara hat sich im Berg-Karabach-Konflikt für Vierergespräche mit Russland, Aserbaidschan und Armenien ausgesprochen. Ziel sei es, eine Lösung im Konflikt um die besetzte Region Berg-Karabach zu finden, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalın in einem am Dienstag ausgestrahlten Fernsehinterview bei „Haber Global“. „Als Türkei werden wir nicht ‚Nein‘ zu diesem Aufruf sagen“

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew hatte am Montag Gespräche zwischen den vier Staaten befürwortet .„Da Russland auf der Seite Armeniens und die Türkei auf der Seite Aserbaidschans steht, können wir uns alle vier (...) zusammensetzen und miteinander reden, um dieses Problem zu lösen.“Seine Erklärung erfolgte nach nunmehr über zweiwöchigen Kämpfen zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach.

„Wenn die Minsker Gruppe seit mehr als 30 Jahren keine Lösung gefunden hat, ist es an der Zeit, einen neuen Mechanismus zu finden“, betonte Kalın. Er bezog sich dabei auf die Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Das Format steht unter dem Vorsitz von Frankreich, Russland und den USA. Es wurde eingerichtet, um eine Lösung im Territorialstreit zu finden. Auch der aserbaidschanische Parlamentsabgeordnete und Leiter der Aserbaidschanisch-Deutschen Parlamentariergruppe, Nurlan Hasanov, begrüßte im Gespräch mit TRT Deutsch die Bereitschaft der Türkei, sich diplomatisch an der Konfliktlösung zu beteiligen: „Politische Interessengegensätze unter den drei Ko-Vorsitzenden Russland, USA und Frankreich erschweren die Konfliktlösung. Eine aktive Teilnahme der Türkei bei der Minsker Gruppe könnte aus politischer Sicht eine Balance innerhalb der Gruppe schaffen und zur aktiven diplomatischen Lösung des Konflikts beitragen.“ „Die jüngsten Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie seine offene Unterstützung für Armenien, die Waffenlieferungen aus Russland an Armenien, lassen an der Unparteilichkeit der Minsker Gruppe stark zweifeln“, fügte der Politiker hinzu.

Karabach-Karte (TRT Deutsch)

Ein Waffenstillstand, der in Moskau wegen des jüngsten Aufflammens der Kämpfe ausgehandelt worden war, sollte am Samstag in Kraft treten. Tatsächlich erwies sich die Waffenruhe als brüchig. Es kommt weiterhin zu militärischen Auseinandersetzungen. Armenische Streitkräfte hatten am Samstagabend zudem einen Raketenangriff auf Gandscha gestartet – die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans. Die Region befindet sich außerhalb der Frontzone. Der Angriff hinterließ mindestens 35 verletzte Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion besetzte Armenien das Gebiet und verlagerte Truppen dorthin. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht. Moskau hat dort tausende Soldaten und Waffen stationiert. Aserbaidschan hingegen betrachtet die Türkei als engen Verbündeten.

TRT Deutsch