Die Bayraktar-Kampfdrohne: Herzstück der modernen Militärstrategie der Türkischen Streitkräfte (Others)

von Ömer Özkizilcik

Länder wie die Türkei entwickeln derzeit neuartige bewaffnete Drohnen und damit verbundene Strategien, die ein effektives und präzises Anvisieren von militärischen Zielen möglich machen sollen.

Die USA hatten unter ihrem ehemaligen Präsidenten Barack Obama den Einsatz von bewaffneten Drohnen als Alternative zu Bodentruppen umfassend ausgebaut. Andere Nationen lernten von den USA, griffen diese Idee auf und entwickelten in der Folge eigene Projekte und Einsatzmöglichkeiten. Mittlerweile sind Kampfdrohnen zu einem wichtigen Werkzeug in der Terrorismusbekämpfung geworden.

USA mit unzureichender Drohnenstrategie in Afghanistan gescheitert

Das prominenteste Einsatzgebiet für Drohnen war das vom Krieg zerrissene Afghanistan, wo die USA Predator-Systeme einsetzten, um gegen die Taliban und terroristische Organisationen vorzugehen.

Allerdings geriet Washington in die Kritik wegen der hohen Anzahl an zivilen Opfern bei Drohnenangriffen. Zwischen 2004 und 2019 führten die USA mindestens 6786 Drohnenangriffe durch und töteten dabei zwischen 8459 und 12.105 Menschen, darunter 769 bis 1725 Zivilisten.

Bilder von afghanischen Zivilisten auf einer Hochzeit, die von amerikanischen Drohnen getötet worden waren, wurden zum Sinnbild für deren Gefahren und prägten die Wahrnehmung des Drohnenkriegs in Afghanistan und in der Welt. Ihr Einsatz hatte auch eine tödliche Konsequenz: Die massive Frustration und die Wut in der afghanischen Bevölkerung halfen den Taliban, Anhänger zu rekrutieren und ihren Einfluss auszuweiten.

Mit Blick auf den amerikanischen Abzug aus Afghanistan kann man sagen, dass die US-Drohnen versagt haben. Sie haben die Sympathien für die Taliban in der lokalen Bevölkerung gefestigt und diese so stark gemacht, dass ein Ende des eigenen Kriegseinsatzes ohne Abkommen mit jenen Kräften nicht mehr möglich war, die man eigentlich dauerhaft ausschalten wollte. Am Ende war die Strategie der USA gescheitert.

Erste Erfolge gegen Al-Kaida in Syrien

In Syrien hatten die Amerikaner aus den Fehlern des Afghanistan-Einsatzes bereits gelernt. Anders als noch in Afghanistan setzten die USA in Syrien Drohnen ein, um begrenzte Ziele mit weniger Risiken und Kosten zu erreichen.

Die USA begannen nun, Terroristen ins Visier zu nehmen, die nicht in der Bevölkerung verankert waren, und die „Ninja-Bombe“ – eine Bombe mit sechs fliegenden Klingen – für präzise Attentate einzusetzen, um so das Risiko ziviler Opfer zu verringern. Außerdem konzentrierten sich die USA mehr auf hochrangige Ziele.

Mit dieser Strategie veränderten die USA effektiv die interne Dynamik im Nordwesten Syriens bei der Al-Kaida-Tochter Al Nusra, indem sie eine Spaltung innerhalb der Organisation zwischen Dogmatikern und Pragmatikern ausnutzten. Während die Pragmatiker dafür plädierten, sich von Al-Kaida zu trennen und sich auf eine lokale syrische Agenda zu konzentrieren, wollten Erstgenannte den Weg der bekannten weltweiten Terrororganisation weiterverfolgen.

Im Laufe der Zeit trennte sich Al Nusra von Al-Kaida und schloss sich mit anderen bewaffneten Gruppen zusammen, um Hayat Tahrir al Sham zu gründen, während Dissidenten Al-Kaida treu blieben und Hurras al Deen gründeten.

Dynamik vorhandener Situationen ändern

In dieser Zeit zielten die US-Drohnenangriffe auf hochrangige Persönlichkeiten innerhalb dieses Spektrums ab, um auf die Debatte Einfluss zu nehmen und radikalere Figuren, die sich gegen die Pragmatiker behaupten konnten, auszuschalten. Aufgrund der neuen Technologie ließ sich die Zahl der zivilen Opfer bei Drohnenangriffen im Vergleich zu Afghanistan deutlich reduzieren, und die Amerikaner erreichten ihr Ziel.

Die USA erleichterten auf diese Weise mit Erfolg die interne Debatte und gestalteten das interne Machtgleichgewicht zwischen diesen Gruppen. Im Moment gibt es nur noch Hayat Tahrir al Sham, die Al-Kaida-treuen Netzwerke in Idlib wurden hingegen aufgelöst und gingen in den Untergrund.

Was die USA taten, war, eine bestehende dynamische Situation zu beeinflussen, anstatt erst eine zu schaffen. Dieses begrenzte Ziel konnte mit begrenzten Mitteln erreicht werden. Diese Strategie stellte ein wichtiges Experiment dar, das für die Terrorismusbekämpfung wertvolle Erkenntnisse liefern sollte.

Türkei setzt auf Drei-Punkte-Konzept

Andere Nationen wie die Türkei entwickelten ebenfalls eigene Konzepte. Der Ansatz der Türkei ist jedoch umfassender. Anstatt sich nur auf Drohnen zu verlassen, erwies sich ein mehrgleisiger Ansatz – bestehend aus Drohnen, Kontrollpunkten und lokalen Partnern – als effektives Werkzeug in der Terrorismusbekämpfung.

Während sich die aktuelle Debatte über türkische Drohnen eher auf deren innovativen Einsatz in der konventionellen Kriegsführung konzentriert, revolutionierte die Türkei auch deren Einsatz in der Terrorismusbekämpfung.

Ähnlich wie die USA bei ihren Drohnenangriffen auf hochrangige Ziele setzte auch die Türkei Drohnen ein, um hochrangige Kader der PKK-Terrorgruppe im Nordirak ins Visier zu nehmen. Allein zwischen März und Juli 2021 konnte die Türkei auf diese Weise mindestens 13 hochrangige Kader der PKK neutralisieren.

PKK in ihrer Bewegungsfreiheit entscheidend eingeschränkt

Darüber hinaus setzte die Türkei ihre Drohnen auch bei grenzüberschreitenden Militäroperationen in Syrien gegen Daesh und die YPG, den syrischen Ableger der PKK, ein. Die MAM-L-Munition der türkischen Drohnen erwies sich als effektiver – bei geringerem Risiko, versehentlich Zivilisten zu treffen. Erfolgreich konnte sich der Drohneneinsatz so auf rein militärische Ziele beschränken.

Darüber hinaus kombinierte die Türkei ihren Drohneneinsatz mit der Errichtung von Kontrollpunkten, um den relativen Vorteilen der Guerillakriegsführung entgegenzuwirken. Im Nordirak errichtete die Türkei miteinander verbundene Kontrollpunkte, die von Drohnen unterstützt wurden, um Bewegungen der PKK zu überwachen und zu verhindern. Trotz der bergigen Geografie konnte die PKK dadurch keine ernsthaften Angriffe auf türkische Soldaten verüben.

Um das Erfolgsdreieck zu vervollständigen, fand die Türkei zuverlässige Partner vor Ort, die lokale Unterstützung innerhalb der Bevölkerung genießen. In Syrien waren die syrische Übergangsregierung und deren bewaffnete Kräfte wie die Syrische Nationale Armee wesentlich an der türkischen Strategie beteiligt, Afrin, Al Bab, Jarablus, Tel Abyad und Ras al Ayn von YPG und Daesh zu befreien.

Lokale Partner sind mitentscheidend

Im Irak spielen die kurdische Regionalregierung und deren bewaffnete Kräfte, die Peschmerga, eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die PKK von Nachschub abzuschneiden und sie am Eindringen in neue Gebiete zu hindern.

Die Rolle von Kontrollpunkten und lokalen Partnern ist für den Erfolg von Drohneneinsätzen gegen Terroristen von entscheidender Bedeutung. Mit dem alleinigen Bombardieren von Terroristen wird sich der Erfolg nicht einstellen. Auch ohne einen geeigneten lokalen Partner können sich die Organisationen neu gruppieren und wachsen.

Zudem geht es darum, die Partner vor Ort mit Bedacht auszuwählen. Zum Beispiel ist das Vertrauen der USA in die YPG beim Kampf gegen Daesh zum Scheitern verurteilt. Für die Menschen in Rakka und Deir Ezzor ist die YPG eine fremde Gruppe. Daher kann man nicht erwarten, dass Daesh in Syrien ausgerottet wird, wenn die USA die YPG nicht aufgeben und stattdessen lokale Partner finden, die für die Menschen vor Ort akzeptabel sind.

TRT Deutsch