Präsident Recep Tayyip Erdoğan schüttelt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Hand. (AA)
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Ganz oben auf dem Arbeitsplan der beiden Staatsoberhäupter der Türkei und Russlands steht die Eröffnung des gemeinsamen Pipeline-Projekts TurkStream. Anlässlich der Einweihungszeremonie treffen sich Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin am Mittwoch in der türkischen Metropolstadt Istanbul.

Die Erdgasleitung, die von Russland aus unter dem Schwarzen Meer in die Türkei führt, wird künftig unter Umgehung der traditionellen Transportlinie über die Ukraine und Rumänien den Balkan mit sibirischer Energie versorgen.

Projekt TurkStream-Pipeline (TRT Deutsch)

Im laufe des Tages werden die Staatschefs zudem die allgemeine Sicherheitslage in der Region erörtern. Ursprünglich sollten sich die Gesprächsthemen vorrangig auf bilaterale Fragen und die Konflikte in Syrien und in Libyen fokussieren, wo beide Staaten entgegengesetzte Parteien unterstützen.

Gespräche über regionale Spannungen

Nach dem jüngsten iranischen Raketenangriff auf US-Militärbasen im Irak am Mittwochmorgen werden voraussichtlich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Agenda dominieren. Die offizielle Webseite der russischen Präsidentschaft erklärte, dass auch aktuelle zwischenstaatliche Probleme thematisiert würden.

Die Türkei hat sich in den vergangenen Tagen um eine Vermittlerrolle im USA-Iran-Konflikt bemüht. Vor dem Präsidententreffen hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoğlu bereits ein Telefongespräch mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif geführt, wie türkische Medien am Mittwoch mitteilten. Das Gespräch erfolgte demnach wenige Stunden nach dem iranischen Raketenangriff im Irak. Ein möglicher heißer Krieg zwischen den USA und dem Iran sei sicherlich ein Grund zur Besorgnis - sowohl für Moskau als auch für Ankara, berichten russische Medien.

„Unsere Region ist der ständigen Zusammenstöße und der Intervention externer Kräfte müde“, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalın Anfang der Woche vor Reportern und fügte hinzu, dass die Türkei sowohl den Iran als auch die USA zu überzeugen versuche, die „Spannungen zu reduzieren“.

Unsere Region ist der ständigen Zusammenstöße und der Intervention externer Kräfte müde.

Türkischer Präsidentensprecher Ibrahim Kalin

Die Situation in Libyen und Syrien

Ein weiteres brisantes Thema ist die Entscheidung der Türkei auf Anfrage der UN-gestützten Regierung in Tripolis, gegen den laufenden Putschversuch von Warlord Chalifa Haftar in Libyen zu intervenieren. Anfang der Woche berichteten türkische Medien unter Berufung auf Präsident Erdoğan, dass die Türkei erste Truppen nach Libyen entsandt habe. Haftar, der nicht nur aus Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten, sondern auch aus Russland Unterstützung erfährt, rief daraufhin den „Heiligen Krieg" aus.

An der Frontlinie auf Seiten der Haftar-Miliz kämpfen Hunderte russische Söldner. Diese sollen unter anderem unter dem Befehl der russischen Söldnerfirma Wagner stehen, welche enge Beziehungen zum Kreml pflegt. Der Einsatz von russischen Söldnern machte erst möglich, dass sich das militärische Gleichgewicht zugunsten von Chalifa Haftar wandte.

Die Türkei strebt eine diplomatische Lösung im Libyen-Konflikt an. Auch Russland ist laut offizieller Seite daran interessiert, direkte Verhandlungen mit der Türkei zu führen.

Ähnlich wie beim Libyen-Konflikt stehen Konsultationen über die Zukunft Syriens an. Russland duldet und unterstützt die anhaltenden Angriffe des syrischen Regimes von Bashar al-Assad gegen Oppositionelle in der nordwestlichen Provinz Idlib. Dieser Umstand wird von der türkischen Regierung kritisiert.

TRT Deutsch und Agenturen