Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin hat Steinmeier seine erste Corona-Schutzimpfung erhalten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich den Astrazeneca-Impfstoff gegen Corona spritzen lassen und alle Bürgerinnen und Bürger zur Impfung aufgerufen. „Das Impfen ist der entscheidende Schritt auf dem Weg aus der Pandemie. Nutzen Sie die Möglichkeiten. Machen Sie mit“, appellierte Steinmeier am Donnerstag in Berlin an die Bevölkerung. Bundesweit starten in der Woche nach Ostern die Impfungen in den Hausarztpraxen mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer. „Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Für die erste Woche haben die Praxen demnach 1,4 Millionen Dosen bestellt. Geliefert werden sollen entsprechend der Planungen von Bund und Ländern 940.000 Dosen. Daneben bekommen die Impfzentren der Länder 2,25 Millionen Dosen pro Woche. Später sollen auch Fachärzte, Privatärzte und Betriebsärzte mitimpfen. Spahn warb zugleich dafür, die erwarteten großen Lieferungen des Astrazeneca-Impfstoffs umgehend zu nutzen.

„Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen“

Von dem Impfstoff machte nun der Bundespräsident Gebrauch. Dem Staatsoberhaupt wurde im Bundeswehr-Krankenhaus in Berlin das Präparat gespritzt. Der 65-Jährige hatte immer betont, dass er erst geimpft werden wolle, wenn er nach der Priorisierung an der Reihe sei. Dies trat nun ein, weil Bund und Länder am Dienstag der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gefolgt waren, das Astrazeneca-Mittel in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Denn bei 2,7 Millionen verabreichten Astrazeneca-Dosen waren 31 Verdachtsfälle einer Hirnvenenthrombose gemeldet worden, in neun Fällen tödlich - das geringe Risiko wird von den Experten nur für junge Menschen angenommen. Spahn zeigte sich erfreut, dass sich Steinmeier impfen ließ. Der Bundespräsident sei damit auch Vorbild für andere. Steinmeier versuchte, Bedenken gegen den Impfstoff zu zerstreuen. „Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen“, erklärte er in einer Mitteilung. Dass sich Steinmeier mit diesem Stoff impfen ließ, stieß auf große Zustimmung. FDP-Chef Christian Lindner sah darin eine „wichtiges Signal“. Auch auf Steinmeiers Facebook-Seite gab es viele positive Stimmen. „Vorbildlich, Herr Bundespräsident! Sie haben gewartet, bis Sie an der Reihe waren und den zu Unrecht verpönten Impfstoff genommen“, schrieb zum Beispiel eine Frau. Bislang sind erst wenige Spitzenpolitiker geimpft. Einer von ihnen ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Steinmeiers Frau Elke Büdenbender, die bei der Priorisierung in einer anderen Stufe als ihr Mann ist, wurde ebenfalls bereits vor kurzem erstmals geimpft.

Kassenarzt Gassen hält den Impfstoff „nach wie vor für sicher“

In die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen fällt auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die nach eigenen Angaben ebenfalls bereit ist, den Impfstoff von Astrazeneca zu nehmen. „Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist für mich näher gerückt. Das ist richtig“, hatte sie am Dienstagabend nach der Entscheidung von Bund und Ländern zum Impfstoff von Astrazeneca gesagt. Sie müsse sich aber erst einmal über das Verfahren in Berlin informieren. Bundesinnenminister Horst Seehofer (71) will sich nicht mit diesem Vakzin impfen lassen. Spahn sagte: „Wenn jetzt 1,7 Millionen Dosen Astrazeneca am Wochenende geliefert werden mitten in der dritten Welle, macht es sehr viel Sinn für den Schutz des Einzelnen und für uns alle, wenn diese 1,7 Millionen Dosen auch schnellstmöglich verimpft werden.“ Spahn sagte: „Wir haben 24, 25 Millionen Menschen in Deutschland über 60.“ Für das zweite Quartal würden etwa 15 Millionen Dosen Astrazeneca erwartet. Ausreichend Menschen würden den Impfschutz gerne annehmen. „Denn der Schutz ist gut.“ Er selbst würde sich grundsätzlich auch mit Astrazeneca impfen lassen, sagte Spahn. Deutschlands oberster Kassenarzt Andreas Gassen hält den Impfstoff „nach wie vor für sicher“, wie er sagte. Er persönlich hätte auch als unter 60-Jähriger keine Bedenken, sich damit impfen zu lassen, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Gassen ist 58. Er sagte, auf den Beipackzetteln etwa bestimmter Rheumamedikamente oder von Anti-Baby-Pillen würden „in deutlich höheren Größenordnungen gleich schwere Risiken“ genannt. „Da macht keiner großes Bohei“, so der KBV-Chef.

Mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen

Spahn sagte, mit dem Impfstart in den Arztpraxen nach Ostern würden Abläufe etabliert, um die Zahlen in wenigen Wochen deutlich zu steigern. Ende April seien mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen. Der Impfstoff gehe vom Bund an den Großhandel und dann über die Apotheken an die Praxen. In den ersten beiden Wochen solle in den Praxen ausschließlich der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden. Grund sei, dass er in ausreichender Menge verfügbar sei, sagte Spahn. Ab der Woche vom 19. April seien Biontech und Astrazeneca vorgesehen, danach Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Spahn rief Bürger, die schon Termine in Impfzentren haben, dazu auf, diese auch wahrzunehmen. Insgesamt sind inzwischen 13,8 Millionen Dosen gespritzt worden, wie der Minister sagte. Eine erste Impfung haben 9,6 Millionen Menschen bekommen und damit 11,6 Prozent der Bevölkerung. Steinmeier kündigte für den Karsamstag eine Fernsehansprache zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie an.

DPA