09.05.2022, Russland, Moskau: Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik über AP veröffentlichte Pool-Foto zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland während der Militärparade zum „Tag des Sieges“ auf dem Roten Platz in Moskau. (DPA)
Folgen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Gedenktag zum Sieg über Nazi-Deutschland vor der Gefahr eines neuen Weltkriegs gewarnt. Es müsse alles getan werden, um diesen „Schrecken“ zu verhindern, sagte Putin bei der traditionellen Militärparade am Montag auf dem Roten Platz in Moskau. Anders als von westlichen Beobachtern befürchtet kündigte der Kreml-Chef keine Ausweitung des Militäreinsatzes in der Ukraine an.

Militäreinsatz mit „inakzeptabler Gefahr“ begründet

Stattdessen rechtfertigte Putin den Einsatz unter anderem auch mit dem Weltkriegsgedenken: „Ihr kämpft für das Vaterland, für seine Zukunft, damit niemand die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg vergisst“, sagte er an die Soldaten gerichtet, von denen einige in der Ukraine im Einsatz gewesen waren. Sie hätten dort das „Vaterland“ vor der „inakzeptablen Gefahr“ verteidigt, die das vom Westen unterstützte Nachbarland für Russland darstelle.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kurz vor den Feierlichkeiten seinem russischen Kollegen Wladimir Putin Geschichtsvergessenheit vorgeworfen. „Russland hat alles vergessen, was den Siegern des Zweiten Weltkriegs wichtig war“, sagte er am Sonntagabend in einer Videobotschaft. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg sei „das Böse zurück, in einer anderen Uniform, aber mit demselben Ziel.“

11.000 Soldaten auf dem Roten Platz

Russland feiert am 9. Mai traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland. Rund 11.000 Soldaten marschierten in diesem Jahr auf dem Roten Platz auf und präsentierten über 130 Panzer sowie schweres Geschütz wie Langstreckenraketenwerfer. Eine geplante Schau der Luftwaffe wurde nach offiziellen Angaben wetterbedingt abgesagt.

Heereschef Oleg Saljukow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu fuhren in Wagen mit offenem Verdeck zum Glockengeläut des Spasskaja-Turms am Kreml vor und inspizierten die Truppen. Putin schüttelte auf der aufgebauten Bühne Weltkriegsveteranen die Hände.

Der lateinische Buchstabe „Z“, der sich zum Unterstützer-Symbol für den russischen Einsatz in der Ukraine entwickelt hat, war allgegenwärtig. Polizisten, welche die Parade absicherten, trugen das Symbol auf ihren Uniformen. In Nowosibirsk, wo wie in vielen russischen Städten ebenfalls ein Militärumzug stattfand, war das „Z“ auf Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg aufgemalt.

In den vergangenen Wochen hatte die russische Führung wiederholt Parallelen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem am 24. Februar begonnenen Militäreinsatz in der Ukraine gezogen. Moskau begründet diesen Einsatz offiziell mit der Absicht, das Nachbarland „demilitarisieren“ und „entnazifizieren“ zu wollen. Beide Begriffe verwendete Putin in seiner heutigen Rede nicht.

Putin verteidigt Militäreinsatz

Allerdings warf der russische Präsident der Ukraine und der NATO vor, „eine Invasion unserer historischen Gebiete“ geplant zu haben, darunter der 2014 von Russland annektierten Krim-Halbinsel und der mehrheitlich russischsprachigen Donbass-Region in der Ostukraine. Auch strebe Kiew angeblich nach der Atombombe. Russland habe daher keine andere Wahl gehabt, als präventiv zu agieren. Der Ukraine-Einsatz wäre „die einzig richtige Entscheidung“ für ein „souveränes, starkes und unabhängiges Land“.

Im Westen war befürchtet worden, dass Putin anlässlich des Weltkriegsgedenkens den Einsatz in der Ukraine ausweiten und etwa eine Generalmobilmachung verkünden könnte. Der Kreml hatte derartige Spekulationen im Voraus zurückgewiesen.

DPA