Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly (L) und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis (R) bei einem Treffen am 25. Januar 2021 in Athen.  (AFP)

Griechenlands Bemühungen, die Türkei aus dem östlichen Mittelmeerraum auszuschließen, bedrohen laut dem ehemaligen Diplomaten Panagiotis Ioakimidis den Frieden und die Sicherheit in der Region. „Es sollte akzeptiert werden, dass die Türkei ein Mittelmeerland ist, das im Rahmen der regionalen Entwicklungen berücksichtigt werden muss“, sagte der ehemalige Berater des griechischen Außenministeriums am Samstag im Interview mit der griechischen Zeitung „Gnomi“.

Ioakimidis unterstrich, dass die Bemühungen Griechenlands, Bündnisse mit einigen Ländern im östlichen Mittelmeer zu schließen, keine Lösung für die Probleme mit der Türkei darstellten.

In Bezug auf die kürzlich wieder aufgenommenen direkten Gespräche zwischen der Türkei und Griechenland forderte der Ex-Außenpolitikberater, dass sich die Gespräche nicht – wie von Griechenland fordert – auf die Frage der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) beschränken sollten. Stattdessen sollten andere Themen einbezogen werden. „Für die Abgrenzung der AWZ und des Festlandsockels sollten die Länder zunächst eine Einigung über die Breite der Hoheitsgewässer erzielen“, argumentierte der ehemalige griechische Diplomat. Kooperation stärkt regionale Entwicklung

Die Türkei und Griechenland hätten als Nachbarländer keine andere Wahl, als freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, so der Experte. Eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen trüge wesentlich zum Wohlstand beider Länder bei.

„Grenzregionen wie Thrakien und die Inseln der Ostägäis werden davon besonders profitieren“, argumentierte Ioakimidis. „Es kann eine Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte in den Bereichen Tourismus, Transport und Bildung geben.“

Zur Zypernfrage sagte Ioakimidis, dass die griechisch-zyprische Verwaltung das „Guterres-Rahmenwerk“ annehmen sollte. Dazu zähle auch das Prinzip der politischen Gleichheit bei der Beilegung des Konflikts.

Die Türkei, die die längste kontinentale Küstenlinie im östlichen Mittelmeer hat, weist die maritimen Grenzforderungen Griechenlands und der griechisch-zyprischen Verwaltung zurück. Die Ansprüche der griechischen Seite verletzen nach Aussagen des türkischen Außenministeriums die souveränen Rechte der Republik Türkei und der türkischen Zyprer.

Die türkische Regierung spricht sich dafür aus, die ausstehenden Probleme in der Region durch internationales Recht, gutnachbarliche Beziehungen, Dialog und Verhandlungen zu lösen.

Im Jahr 1974 hatte sich ein griechisch-zyprischer Putsch auf der Insel ereignet – dabei sollte ganz Zypern von Griechenland annektiert werden. Dies führte zur militärischen Intervention der Türkei als Garantiemacht, um die türkischen Zyprer vor Verfolgung und Gewalt zu schützen. Im Jahr 1983 wurde als Folge des Konflikts die Türkische Republik Nordzypern (TRNC) gegründet.

Die Zypern-Frage bleibt trotz einer Reihe von Bemühungen in den letzten Jahren ungelöst, darunter auch eine gescheiterte UN-Initiative aus dem Jahr 2017.


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