Vier Mitarbeiter der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu (AA), darunter ein türkischer Staatsbürger, sind bei einer Razzia im Kairoer Büro der Nachrichtenagentur verhaftet und an einen unbekannten Ort verschleppt worden.

AA erklärte, dass Polizeibeamte das Büro am Dienstagabend gestürmt, die Sicherheitskameras und die Internetverbindung abgeschnitten und das Büro am frühen Mittwoch durchsucht hätten.

Die Beamten beschlagnahmten demnach die Pässe, Handys und Computer des Personals. Die ägyptische Polizei habe sich zudem geweigert, einem Anwalt der Nachrichtenagentur den Grund für die Razzia zu nennen.

Ein ägyptischer Journalist, der sich im Büro aufhielt, wurde um Mitternacht freigelassen, vier weitere wurden am Mittwochmorgen an einen unbekannten Ort gebracht.

Zu den inhaftierten Mitarbeitern gehören Hilmi Balcı, ein türkischer Staatsangehöriger, der die Finanz- und Verwaltungsabteilung des Büros leitet, sowie die ägyptischen Staatsbürger Hussein al-Qabbani, Hussein al-Abbas und Abdelselam Muhammad. Letzterer ist ein Mitarbeiter der in der Türkei ansässigen Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung (SETA) ist.

Kemalettin Eruygur, der türkische Geschäftsträger in Kairo, kontaktierte indes das ägyptische Außenministerium zu diesem Thema, während der ägyptische Geschäftsträger in Ankara vom türkischen Außenministerium vorgeladen wurde.

Der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidialamtes, Fahrettin Altun, wurde von Anadolu mit den Worten zitiert:

„Dieser feindselige Akt der ägyptischen Putschisten-Verwaltung gegenüber den Mitarbeitern der Nachrichtenagentur Anadolu zeigt, in was für einer verzweifelten Lage sie sind. Wir verurteilen diese feindselige Praxis der ägyptischen Behörden gegenüber den türkischen Medien.“

Das türkische Außenministerium sagte in einer Erklärung, die Festnahmen seien „ohne Grund“ erfolgt und stellten „einen Akt der Schikane und Einschüchterung gegen die türkischen Medien“ dar. Das Ministerium verurteilte den Vorfall „aufs Schärfste“.

„Dieser Gewaltakt gegenüber der AA offenbart einmal mehr sowohl die negative Einstellung der ägyptischen Regierung zur Pressefreiheit als auch ihre katastrophale Einstellung zu Demokratie und Transparenz. Westliche Länder, die scheinbar sensibel für Presse- und Meinungsfreiheit sind, haben zu diesem rücksichtslosen Verhalten beigetragen, indem sie die Augen vor Verletzungen [in Ägypten] verschlossen haben. Wir erwarten, dass die ägyptischen Behörden die inhaftierten Mitarbeiter (...) unverzüglich freilassen“, heißt es in der Erklärung.

Der AA-Generaldirektor Şenol Kazancı monierte, ein solches Vorgehen gegen die Medien sei „inakzeptabel" und forderte die sofortige Freilassung.

TRT Deutsch