Symbolbild

Istanbul hieß früher Byzanz und war eine antike griechische Kolonie. Überlieferungen zufolge soll König Byzas von Megara „seine Kolonisten im 7. Jahrhundert v. Chr. hierher gebracht haben, um eine Kolonie namens Byzanz zu gründen“, heißt es auf der Website von „Alles über Istanbul“.

Das Orakel von Delphi hatte Byzas geraten, „sich gegenüber vom ‚Land der Blinden‘ niederzulassen“. Byzas glaubte, die früheren Siedler Chalkedons auf der asiatischen Seite müssten „blind“ gewesen sein, um die hervorragende Lage am Eingang der Bosporus-Straße, dem einzigen Zugang zum Schwarzen Meer, zu übersehen, so „All About Istanbul“.

Der Archäologe und Herausgeber der Zeitschrift „Arkeoloji ve Sanat“ (Archäologie und Kunst), Nezih Başgelen, hat für TRT World einige Informationen zusammengestellt. Der Forscher sagt, dass der erste Name der historischen Halbinsel, auf der Istanbul gebaut wurde, Byzanz/ Bizantion war. Der Name leite sich vom thrakischen Namen Byzas/ Vizas ab. Einer alten Legende nach wurde die Stadt von König Bizas (möglicherweise eine Variation von Byzas) gegründet. Er ist der Sohn der Halbgöttin Semestras.

„Der Name Istanbul kam viel später“, sagt Professor Yakoob Ahmed von der Theologischen Fakultät der Universität Istanbul. Er lehrt dort islamische und osmanische Geschichte.

Als Byzanz unter römischer Herrschaft stand, benannte demnach der römische Kaiser Septimus Severus die Stadt um – in Augusta Antonina. Das ist der Name seines Sohnes. Als der Sitz des Reiches 330 n. Chr. in die Stadt zog, wurde sie als „Secunda Roma“ (Zweites Rom) bezeichnet. Ab dem 5. Jahrhundert hieß sie „Nova Roma“ (lateinisch: neues Rom) und seine Einwohner wurden Romaios genannt. Der Name hielt sich jedoch nicht lange.

Bizantion war ein thrakischer Name, während in osmanischen, arabischen und armenischen Schriften auch Benennungen wie Byzanz, Byzandia, Buzantiye, Puzanta, Buzantis vertreten sind. In islamischen Quellen sind auch andere Namen belegt. Dazu zählen Bezeichnungen wie „Rûmiyyetü'l kübrâ“ (Großes Rom), „Taht-ı Rûm“ (Sitz von Rom), „Gulgule-i Rûm“ (Klang Roms), die aus Nova Roma stammen sollen.

„Konstantinopel“ – abgeleitet vom römischen Kaiser Konstantin dem Großen

Dann gab es natürlich auch den Namen „Konstantinopolis“ (lateinisch)/ „Konstantinopel“ (englisch). Der Name leitet sich vom römischen Kaiser Konstantin dem Großen ab. Er machte die Stadt zur Hauptstadt seines Reiches (306 bis 337 n. Chr.). Der Name war gebräuchlich und wurde amtlich. Die Ableitung „Konstantiniyye“ wurde von Arabern und Persern verwendet, während die Osmanen es für Geldwährung und bei offiziellen Korrespondenzen verwendeten.

Während der römischen und byzantinischen Ära wurde hauptsächlich der Name „Konstantinopolis“ genutzt. Westliche Mächte verwendeten den Namen auch über die Zeit hinaus, selbst als die Stadt ab 1453 unter osmanischer Herrschaft stand.

Bis zur Gründung der Republik Türkei verwendete das Osmanische Reich bekanntlich den Namen Konstantiniyye. Laut der Encyclopedia Britannica „trug die Stadt bis zur offiziellen Änderung des Namens durch die türkische Post im Jahr 1930 weiterhin den tausendjährigen Namen Konstantinopel.“

„Wir sind uns nicht sicher, wie der Name Istanbul sich aus dem Griechischen entwickelt hat und wie weit er zurückreicht“, sagt Ahmed. „Es bedeutet: zu der Stadt. Wie wir sehen, sind im Wort Konstantinopel die Wörter Stan und Pol enthalten – genauso wie es in Konstantinopolis enthalten war. Es bedeutet wahrscheinlich: innerhalb der alten Stadtmauer.“

Islambol – die ‚Stadt des Islam‘

Einheimische von Konstantinopel bezeichneten die Stadt ab dem 10. Jahrhundert als I Sten Pol (innerhalb der Stadt), was auch in armenischen und arabischen Quellen (ohne das ursprüngliche I-) und in osmanischen Quellen belegt ist. Das „I Sten Pol“ verschmelzt sich schließlich zu einem Wort, so Marek Stachowski und Robert Woodhouse. Sie sind die Autoren von „Die Etymologie von Istanbul: Optimale Nutzung der Beweise“. Zusammenfassend bedeutet das: Der griechische Gebrauch, mit Konstantinopel „die Stadt“ zu bezeichnen, wurde übertragen.

„Als die Osmanen Istanbul eroberten, behielten sie im Großen und Ganzen die alten griechischen Namen wie Bosporus, Üsküdar und natürlich Hagia Sophia bei“, fügt Ahmed hinzu. Der renommierte Historiker Halil İnalcık sagt, der osmanische Sultan Mehmet II. habe versucht, den Namen Islambul zu etablieren. Der Name sei angewandt worden, aber nie amtlich gemacht.

„In Wirklichkeit waren die Osmanen mit dem osmanischen bzw. arabisierten Namen von Konstantinopel, den sie Konstantiniyye nannten, zufrieden. Sie hatten auch andere Namen wie Pay-i Taht (Hauptstadt) und Asitane, aber diese wurden offiziell nie verwendet“, erklärt Ahmed.

Der häufigste Name der Stadt während der osmanischen Ära war Konstantiniyye, die arabische Version von Konstantinopolis. Die Stadt wurde auch „Dersaadet“ (die Stadt des Glücks) oder „Asitane“ – nach dem großes Derwischkloster – genannt, behauptete ein weiterer Experte 2012. Osmanische Sultane hielten sich nicht an Namen fest – es gab jedoch eine Ausnahme. „Sultan Mustafa der Dritte verwendete in seinen kaiserlichen Schriften Islambol, die ‚Stadt des Islam‘.“

Zurück zum griechischen Wortstamm: Die Wurzel von „Istanbul“ ist auf Griechisch „Stinpolis“ und bedeutet, wie bereits oben erwähnt, so viel wie „zur Stadt“. Mit „Stadt“ wird hier eine Stadt innerhalb von Stadtmauern bezeichnet. „Damals haben sie die Orte ohne Stadtmauern nie Istanbul genannt. Das ist heutzutage der Hauptfehler. Wenn sie ‚die andere Seite‘ sagen, beziehen sie sich nie auf Kadiköy (im asiatischen Teil), sondern auf Galata. Wenn sie sich auf die Überfahrt zur anderen Seite beziehen, meinen sie von Karaköy nach Galata oder von Galata nach Kuledibi. Es gibt damals noch keinen Taksim und kein Üsküdar. Und es gibt saisonal genutzte Prinzeninseln und Dörfer am Bosporus. Das heißt, der Bosporus gilt nicht als Istanbul“, erklärte der Experte.






TRT Deutsch