Eine Drohne des Typs „Bayraktar TB2“ verlässt den Hangar (AA)

Die Türkei rückt im Bereich der Drohnen-Technologie in die Weltspitze auf, und davon profitiert die gesamte militärische Eigenproduktion in der Türkei. Darüber berichtet die Zeitung „Die Welt“ und sieht in der jüngsten Bestellung von 24 bewaffneten Drohnen des Typs Bayraktar TB2 durch Polen unter Bezug auf Experten einen „Beleg für deren technisches Niveau“.

Mittlerweile sollen bereits 2.000 Unternehmen in der Türkei in der Rüstungsproduktion tätig sein. Die Entwicklung sei die Konsequenz der 2014 vom damaligen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan verkündeten Grundsatzentscheidung, künftig auf Entwicklungen in der Verteidigungsproduktion zu setzen, statt wie zuvor auf Importe angewiesen zu sein.

Über gemeinsame Projekte, die auch Know-how-Transfer beinhalteten, wie beim Airbus-Transporter A400M oder dem US-Kampfjet F-35, sei es schnell gelungen, nicht nur funktions-, sondern auch weltmarktfähige Erzeugnisse selbst herzustellen.

Türkische Drohnen preisgünstiger und vielseitig einsetzbar

Die in Berlin erscheinende „Tageszeitung“ nennt als Beispiele für bereits jetzt oder künftig bedeutungsvolle türkische Eigenprodukte unter anderem den Altay-Kampfpanzer, das Hürküs-Erdkampfflugzeug und den T-625-Helikopter. Dazu kommen noch die bereits ins Auge gefassten Projekte für einen eigenen Kampfjet sowie die Weltraummission.

Unternehmen wie Bayrak und TAI (Turkish Aerospace Industries) haben binnen kurzer Zeit ambitionierte Eigenprojekte auf den Weg gebracht, die sich für Aufklärungszwecke ebenso eignen wie für den Kampfeinsatz.

Hatten bislang die USA, China und Israel die Szenerie auf dem weltweiten Drohnenmarkt beherrscht, ist die Türkei in nur wenigen Jahren in die erste Liga aufgestiegen. Die bereits jetzt beschlossene militärtechnologische Zusammenarbeit mit Polen und der Ukraine ist nach Einschätzung von Vorstandschef Haluk Bayraktar nur ein erster Schritt.

Auch Expertin Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations (ECFR) sieht die Türkei unter den vier bedeutsamsten Akteuren in der militärischen Drohnentechnologie – neben den etablierten Größen USA und Israel und dem Newcomer China. Gegenüber Modellen wie Predator oder Heron seien die türkischen Modelle preislich im Vorteil. Zudem haben sie einen entscheidenden potenziellen Nachteil auf dem Markt überwunden: fehlende Erfahrungswerte.

Polen und Ukraine als erste europäische Kunden

Die KI-gestützten türkischen Modelle mit Reichweiten zwischen 15 und mehr als 5.000 Kilometer haben sich bereits in aktiven Kriegseinsätzen bewährt: Seit 2016 im Antiterroreinsatz in Syrien, ab 2020 auch in Libyen sowie bei der Befreiung weiter Teile von Bergkarabach. Sogar ein UNO-Bericht erwähnte in einem Lagebericht zu Libyen Schwärme von „tödlichen autonomen Waffensystemen“, die den Vormarsch von Truppen des Ex-Generals Haftar aufgehalten und diesen an den Verhandlungstisch gezwungen hätten.

Aserbaidschan und Katar waren die ersten ausländischen Kunden, die Bayraktar-Drohnen orderten. Deren Effizienz und Leistungsfähigkeit hatten zur Folge, dass bald auch Großbritannien offiziell Interesse an einer möglichen Beschaffung äußerte. Polen und die Ukraine machten wenig später Nägel mit Köpfen.

Bayraktar setzt auf Zusammenarbeit mit Kunden

Konzernchef Bayraktar betonte den kooperativen Ansatz, der Bayrak-Verträgen innewohne. Anders als Anbieter, die sich hinter der Komplexität ihrer Software verschanzten und diese mit Codes versähen, über die man sich Kunden gegenüber bedeckt halte, interessiere sich der türkische Hersteller für eine Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung und technischen Optimierung. Dies sei auch gegenüber den jeweiligen Kunden fairer. Man habe „ambitionierte Pläne“, so der Unternehmer, was den weiteren Ausbau betreffe.

TRT Deutsch