Diyarbakır: Mütter seit 500 Tagen gegen PKK-Rekrutierung im Sitzstreik (AA)

Seit 500 Tagen protestieren kurdische Mütter mit einem Sitzstreik vor dem Gebäude der PKK-nahen Partei HDP in Diyarbakır. Der Aufschrei richtet sich gegen die Rekrutierung ihrer teils minderjährigen Kinder durch die Terrororganisation PKK. Der Protest blieb nicht folgenlos: 22 Jugendliche konnten bisher zu ihren Familien zurückkehren.

Hacire Akar hatte am 22. August 2019 mit dem Sitzstreik vor dem HDP-Gebäude in Diyarbakır begonnen. Nach ihrer Schilderung war ihr Sohn von HDP-Mitgliedern zwangsrekrutiert worden. Ihr Einsatz zahlte sich aus und ihr Sohn konnte zwei Tage später zurückkommen.

Hacire Akars Kampf um ihren Sohn war beispielhaft für andere kurdische Familien, die dasselbe Schicksal teilten. Am 3. September 2019 begaben sich andere Mütter in den Sitzstreik vor der Parteizentrale der HDP. Inzwischen nehmen 188 kurdische Mütter an dem Dauerprotest teil.

Mütter lassen sich nicht stoppen

Ob Sommer oder Winter, Regen oder Schlamm – die Mütter haben bislang den Protest nie unterbrochen. Von Zeit zu Zeit hielten sie gemeinsam mit den Vätern der vermissten Kinder Wache. Während die Mütter vor der HDP-Zentrale ausharrten, versorgten die Väter zuhause den Rest der Familie.

Einige der Mütter setzten ihre Aktion unter schwierigen Bedingungen mit ihren jüngeren Kindern fort. Sie schliefen auf dem Bürgersteig und fielen manchmal vor Erschöpfung in Ohnmacht. Auch während der Corona-Krise gaben die Familien nicht auf – und trafen die notwendigen Hygienemaßnahmen.

Diyarbakır: Mütter seit 500 Tagen gegen PKK-Rekrutierung im Sitzstreik (AA)

Der Protest zeigte Wirkung: Einige Kinder durften die Terrororganisation PKK verlassen und zu ihren Familien zurückkehren. Jede Zusammenführung löste große Freude und Hoffnung unter den Müttern aus. Auch wenn es nicht ihr eigenes Kind war, traf das alle Mütter emotional – Tränen der Freude wurden gemeinsam vergossen. Mütter, die mit ihrem Kind vereint werden konnten, setzten ihren Protest fort – um die anderen Mütter zu unterstützen. So schließen sie sich dem Sitzstreik manchmal weiterhin an. Die HDP entgegnete der ganzen Protestaktion mit heruntergelassenen Rollos. Die PKK-nahe Partei will von Anfang an eine Konfrontation mit den leidenden Müttern vermeiden.Daher versuchte die Terrororganisation auf jede erdenkliche Weise, Familien von ihrem Sitzstreik abzuhalten.HDP-Parteimitglieder beleidigten die Mütter, manchmal wurden die protestierenden Frauen sogar bedroht. Die Terrororganisation PKK bedrohte die Familien in parteieigenen Publikationen und verunglimpfte ihren zivilen Kampf. Einige Familien wurden aufgefordert, die Sitzungsaktion zu beenden. Als Gegenleistung versprach die Organisation eine Interview-Ausstrahlung ihrer Kinder in den entsprechenden Medienplattformen. Familie schauten unter Tränen den Aufnahmen ihrer Kinder zu. Dennoch setzten sie die Proteste fort und warten noch heute mit einem Foto in der Hand auf deren Rückkehr. Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft Der Aufschrei der kurdischen Mütter in Diyarbakır war in der gesamten Türkei nicht zu überhören. Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte den Müttern politische Unterstützung zu. Auch andere Politiker und Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen, darunter prominente Gesichter, solidarisierten sich mit den Frauen.

In Berlin protestiert Maide T. gegen die PKK-Rekrutierung ihrer Tochter (AA)

Protestaktion auch in Berlin In Berlin protestiert derweil Maide T. gegen die PKK-Rekrutierung ihrer Tochter Nilüfer T. Damit schließt sie sich den kurdischen Müttern in Diyarbakır an. Die Mutter der 20-Jährigen hat eine Online-Petition gestartet, um auf das Schicksal ihrer von der Terrororganisation PKK geköderten Tochter aufmerksam zu machen. Am Sonntag zählte der Aufruf 570 Unterschriften. „Radikalisiert und rekrutiert wurde sie in einem angeblichen kurdischen Kulturverein in Berlin, der eigentlich ein PKK-Nest ist“, stellt die Mutter Maide T. in der Erklärung zur Petition fest. Nilüfer sei eine von vielen jungen Kurden, die die PKK in Deutschland angeworben hätte – damit sie für den Kampf nach Nordirak und Nordsyrien geschickt werden, wo sie töten und getötet werden.

TRT Deutsch und Agenturen