Gutachten im Halle-Prozess: Angeklagter ist durchschnittlich intelligent

Der Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle ist nach Einschätzung einer Psychologin durchschnittlich intelligent. Ein Test habe einen IQ-Wert von 105 ergeben, das sei ein durchschnittlicher Wert, sagte die Gutachterin am Dienstag vor Gericht. Auch die kognitiven Fähigkeiten des Mannes sind demnach unauffällig. Außerdem bescheinigte die Psychologin dem Angeklagten Anzeichen von Depression, Paranoia und eine gewisse Naivität. Das sogenannte testpsychologische Zusatzgutachten der Psychologin soll das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten, das ein forensischer Psychiater am Nachmittag vorlegen sollte, ergänzen. Die Psychologin untersuchte den Angeklagten dafür rund drei Stunden lang während seiner Untersuchungshaft und legte ihm dafür mehrere Fragebögen vor. Bei der Beantwortung habe der Angeklagte oft und an merkwürdigen Stellen gelacht und außerdem einige Formulierungen korrigiert, berichtete die Psychologin. Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten. Nachdem er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und kurz darauf einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Der Prozess läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt.

DPA