Für einen Bierdosenwurf auf Einsatzkräfte beim Hamburger G20-Gipfel soll ein ehemaliger Münchner Polizist nach Willen der Staatsanwaltschaft zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt werden.

Der 38-Jährige habe sich der versuchten gefährlichen Körperverletzung und eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt am Freitag vor dem Amtsgericht Altona.
Videoaufnahmen vom Polizeieinsatz bei der Demonstration belegten die Tat an einer Unterführung. „Das ist ein sehr kraftvoller Wurf mit sehr viel Schwung.“ Die Dose sei anderthalb bis zwei Meter hinter laufenden Polizisten aufgeschlagen. Dass niemand getroffen wurde, sei reiner Zufall gewesen.
Für eine mitangeklagte Freundin des inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen 38-Jährigen, die auch eine Dose geworfen haben soll, forderte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 15 Euro.
Zu der Demo auf dem St.-Pauli-Fischmarkt am 6. Juli 2017 hatten Hamburger Linksautonome aufgerufen. Die Polizei stoppte den Abmarsch, weil sich nach ihren Angaben mehrere Tausend der rund 12.000 Teilnehmer vermummt hatten. Als die Beamten versuchten, die Vermummten abzutrennen, sei die Lage eskaliert, erklärte die Polizeiführung später vor einem Ausschuss der Bürgerschaft. Es seien mehr als 700 Straftaten verübt worden.
Die Verteidiger forderten am Freitag Freispruch für ihre Mandanten. Es sei niemand getroffen worden, sagte der Anwalt des Ex-Polizisten. Der Angeklagte sagte zum Wurf: „Das war eine Scheißaktion.“ Es gehöre sich aber auch nicht, gegen die Teilnehmer einer Demonstration, darunter ältere Menschen und Kinder, ohne Vorankündigung mit dem Schlagstock vorzugehen. Diese Bilder hätten „dazu beigetragen, dass ich nicht mehr Polizeibeamter sein wollte und nicht mehr bin.“ Das Urteil wird laut Richter am 6. Juli verkündet.

DPA