Symbolbild. Istanbul, Türkei: Ein im Rahmen des Marmaray-Projekts ausgegrabenen Überbleibsel eines Schiffs und antike Keramikgefäße aus dem Istanbuler Stadtteil Yenikapı. (AA)

Im Archäologischen Museum in Istanbul werden derzeit rund 60.000 archäologische Fundstücke aus verschiedenen Ausgrabungsorten in der Stadt aufbewahrt. Diese stammen zumeist aus den Stadtvierteln Yenikapı, Sirkeci sowie Üsküdar und kamen in den letzten neun Jahren zutage. In Zukunft sollen die Funde in einem eigenen Museum ausgestellt werden.

Bei den Ausgrabungen wurden Spuren von Zivilisationen aus verschiedenen Epochen gefunden, darunter die Skelette der ersten Siedler, 8500 Jahre alte Fußabdrücke sowie der Hafen von Eleutherios (Theodosius) – ein Hafen, der in der Weltliteratur bekannt ist, von dem aber zuvor keine Spuren gefunden werden konnten. Unter den Funden befinden sich zudem die weltweit größte Sammlung versunkener Schiffe aus dem Mittelalter sowie 60.000 Tierknochen von 57 Arten und Pflanzenfossilien.

Symbolbild. 5. November 2015, Istanbul, Türkei. Der Schädel eines Kamelskeletts aus den Ausgrabungen des Marmaray-Projekts wird im Forschungszentrum für Osteoarchäologie der Universität Istanbul ausgestellt. (AA)

Der Hafen von Eleutherios war zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert das größte Transportzentrum der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel. Er wurde bei Ausgrabungen in Yenikapı freigelegt. Die Überreste des Hafens umfassen 25 Pfeiler, von denen zwei aus Stein und die übrigen aus Holz sind. Ursprünglich wurde er für den Transport von aus Ägypten eingeführtem Weizen gebaut. Die Ausgrabungen begannen drei Meter über dem Meeresspiegel und wurden zehn Meter darunter fortgesetzt.

37 versunkene Schiffe aufgetaucht

Bei der Ausweitung der Ausgrabungen in dem Gebiet wurden 37 versunkene Schiffe unterschiedlicher Art und Größe aus der Zeit vom 5. bis zum 11. Jahrhundert entdeckt.

Die Schiffswracks liefern wichtige Informationen über die byzantinische Schiffstypologie und Schiffbautechnologie. Die Forscher gehen davon aus, dass die geborgenen Schiffe bei einem starken Sturm oder Tsunami gesunken sein könnten.

Symbolbild. Istanbul, Türkei: Ein im Rahmen des Marmaray-Projekts im Istanbuler Stadtteil Yenikapı ausgegrabenes Schiff. (AA)

Im U-Bahn-Bereich im Nordwesten des Yenikapı-Ausgrabungsgebiets wurde eine Kirche aus dem 12. oder 13. Jahrhundert gefunden. Drumherum fanden die Archäologen insgesamt 22 Gräber mit 24 menschlichen Skeletten und tausenden Tierskeletten.

Ausgrabungen im Stadtteil Üsküdar

Die archäologischen Ausgrabungen im Stadtteil Üsküdar wurden zwischen 2004 und 2008 durchgeführt. Üsküdar war in der Frühzeit als Khrysopolis und in der römischen Zeit als Scutari bekannt. Dort wurden Ruinen aus der archaischen, klassischen, hellenistischen und römischen Zeit sowie architektonische Überreste aus byzantinischer und osmanischer Zeit entdeckt.

Bei den Ausgrabungen in der Nähe der Mihrimah-Sultan-Moschee und des Sultan-Ahmet-III-Brunnens wurde das Fundament eines Apsidenbaus aus dem 12. oder 13. Jahrhundert freigelegt. Gefunden wurden zudem 97 Skelette, darunter drei Kinder, 14 Frauen, 73 Männer sowie sieben weitere nicht identifizierbare Überreste.

Symbolbild. 22. Oktober 2015, Istanbul, Türkei: Archäologen arbeiten an der Universität Istanbul an den Überbleibseln eines gesunkenen Schiffes. (AA)

Prosforion: Einer der ältesten Häfen der Stadt Der ab dem 7. Jahrhundert genutzte Hafen von Prosforion war der erste Hafen, der im Gebiet von Konstantinopel gebaut wurde, als es noch der Stadtstaat Byzanz war. Er liegt heute im Stadtteil Sirkeci, einer weiteren Ausgrabungsstation des Marmaray-Projekts. Bei den Ausgrabungen in Sirkeci wurden architektonische Überreste aus der spätosmanischen, byzantinischen und frühbyzantinischen Zeit sowie kleine Funde und Keramik aus vorrömischer Zeit gemacht. Mehr zum Thema: Neue Funde in Istanbul: Antikes Massengrab und Bunker aus dem 2. Weltkrieg

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