Seine letzte Reise führte Ibn Battuta durch die Sahara

von Ufuk Necat Taşçı

Derzeit hält die Corona-Pandemie die Reisebranche, ob touristisch oder geschäftlich, fest im Griff; zahlreiche Pläne in dieser Richtung liegen bis auf Weiteres auf Eis. Während die Welt von unbeschwertem Reisen träumt, fällt der Blick auf eine historische Figur, die inspiriert und dem Fernweh einen Namen gibt: Ibn Battuta.

Was für den Westen der venezianische Handelsreisende Marco Polo ist, der zwischen 1271 und 1295 entlang der damaligen Seidenstraße reiste, ist für die islamische Welt der Gelehrte Ibn Battuta. Seine Fahrten, die fast 30 Jahre andauerten, führten ihn sogar über noch größere Distanzen als den Kaufmann aus Venedig.

Insgesamt hatte es der aus dem heutigen Marokko stammende Rechtsgelehrte auf etwa 117.000 Kilometer gebracht. Marco Polo legte demgegenüber umgerechnet etwas mehr als 24.000 Kilometer zurück.

Der marokkanische Kaufmann deckte fast die gesamte islamische Welt mit seiner Reisetätigkeit ab und durchquerte Nord- und Westafrika ebenso wie die heutigen Territorien Indiens, Pakistans und Chinas. Darüber hinaus führte ihn sein Weg auch auf die Malediven, Sri Lanka und in weite Teile Südostasiens.

Durch Kriegsgebiete, Banditennester und Regionen des Aufruhrs

Was die Reisemittel anbelangt, derer sich der größte Reisende vormoderner Zeiten bediente, reichten diese von Wasserfahrzeugen bis hin zur Kamelkarawane. Einige Wege legte er auch zu Fuß zurück. Insgesamt führte ihn seine Wanderlust in Gebiete von 40 unterschiedlichen Ländern der heutigen Zeit.

Mehrfach waren seine Reisen, die zwischen 1325 und 1355 stattfanden, auch von Gefahrensituationen begleitet. So berichtete er von Angriffen durch Banditen, einem Schiffsunglück, das fast zu seinem Ertrinken geführt hätte, und einem Tyrannen, der ihn enthaupten lassen wollte. Er reiste durch Regionen, in denen Kriege und Rebellionen stattfanden.

Als Ibn Battuta nach 29 Jahren nach Tanger zurückkam, war er gesundheitlich bereits angeschlagen. Er arbeitete der Überlieferung zufolge noch einige Jahre als Richter in Marokko, bis er im Jahr 1368 verstarb. Zuvor hatte Abu Inan, der damalige Sultan von Marokko, den Gelehrten dazu aufgefordert, seine Reiseerlebnisse schriftlich niederzulegen. Mit Unterstützung des Schreibers Ibn Juzayy nahm Ibn Battuta das Vorhaben in Angriff.

Ibn Battuta übte in mehreren Zielländern das Richteramt aus

Daraus entstand das heute noch aufgelegte Buch mit dem Originaltitel „Tuhfat al-anzar fi gharaaib al-amsar wa ajaaib al-asfar“ (Ein Geschenk an alle, die das Wunder der Städte und den Zauber des Reisens wertschätzen). Meist wird angesichts des etwas sperrigen Originaltitels umgangssprachlich von Ibn Battutas „Rihla“ (Reise) gesprochen, wenn von seinen Erzählungen die Rede ist.

Ibn Battuta kam im Jahr 1304 in der Zeit der Meriniden-Dynastie als Sohn einer Berber-Familie zur Welt, sein ursprünglicher Name war Shams ad-Din. Zur Tradition seiner Familie gehörte es, das Richteramt auszuüben. Deshalb wurde Ibn Battuta auch im islamischen Recht ausgebildet. Im Jahr 1325 entschied er sich im Anschluss an seine Pflicht-Wallfahrt (Haddsch) nach Mekka, die 16 Monate in Anspruch genommen hatte, mit dem Reisen fortzufahren.

Die Erzählungen Ibn Battutas stellen heute eine einzigartige und unverzichtbare Quelle für islamische und mittelalterliche Geschichte dar. Im Anschluss an seine Reise über das Rote Meer nach Mekka zog er weiter durch die Arabische Wüste in das heutige Gebiet des Irak und Iran. Im Jahr 1330 folgte eine Seefahrt über das Rote Meer nach Aden und später weiter in das heutige Tansania.

Letzte Reise führte nach Timbuktu

Im Jahr 1332 begann Ibn Battuta, Indien anzusteuern. Über Choresmien, Buchara und Afghanistan erreichte er das damals muslimischeg Delhi. Der dortige Sultan ernannte ihn zum Richter, weshalb Ibn Battuta für acht Jahre auf dem Subkontinent blieb. Später ging er, um das Richteramt auszuüben, auf die Malediven, und über Sri Lanka und Indien erreichte er 1345 China.

Der reisende Richter besuchte dort Peking, Hangzhou, Guangzhou und die Große Mauer, ehe er mit dem Mongolischen Khan zusammentraf, der damals im Land regierte. Nachdem er das Ende der bis dahin bekannten Welt erreicht hatte, reiste er zurück nach Marokko, wo er 1349 eintraf. Da mittlerweile seine Eltern verstorben waren, blieb er dort nur für eine kurze Zeit, ehe er sich noch einmal auf Reisen begab und dabei Spanien besuchte.

Seine letzte Reise führte ihn über mehrere Jahre hinweg durch die Sahara ins Malische Reich, wo er unter anderem auch Timbuktu erreichte.

TRT Deutsch