Die Türkei ist die Heimat vieler Menschen afrikanischer Abstammung. Viele Afrotürken konnten auf verschiedenen Gebieten Erfolge erzielen - von der Wissenschaft über das Militär bis hin zur Musik. Esmeray Diriker war einer der strahlenden Stars ihrer Zeit. Ihre hypnotisierende Stimme - geschichtet mit Melancholie und Nostalgie - berührte die Herzen von Millionen.

Esmeray starb im Jahre 2002 - ihr Song „Gel Tezkere“ („Komm, mein Entlassungsschein“) wird in der Türkei heute noch gesungen. Das Lied handelt von einem Soldaten, der seinen Entlassungstag herbeisehnt. Der zeitlose Text voller Sehnsucht berührt jede türkische Frau, die auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Militärdienst wartet.

1976 sang Esmeray das erste Mal den Song „Gel Tezkere“ und landete gleich einen Hit. Damit legte sie den Grundstein für ihre Musikkarriere in der türkischen Musikindustrie. Gleichzeitig war sie auch als Film- und Theaterdarstellerin tätig. Ihr musikalisches Talent machte sie aber zur Ikone einer ethnischen Minderheit in der Türkei.

Kreativ, erfolgreich und schwarz Esmeray wurde 1949 in Istanbul geboren, ihre Eltern stammen aus Marokko. Ihre Vorfahren siedelten im Rahmen der Migrationsbewegung des 19. Jahrhunderts in die Türkei. Das Osmanische Reich eroberte das Land ihrer Vorfahren. Als Schwarze hinterließ sie in der Türkei eine wichtige Spur – sie wurde zur Vertreterin für Gleichberechtigung von Minderheiten und Diversität. Im Alter von 11 Jahren begann Esmeray 1960 ihre Karriere als Theaterschauspielerin. Fünf Jahre lang trat sie im Kindertheater von Istanbul auf und spielte bis 1974 in mehreren berühmten Theaterhäusern. Während dieser Zeit trat sie in Filmen auf und begann 1970 ihre musikalische Arbeit. Sie schloss sich dem Chor von Neriman Altindağ Tüfekçi an. Drei Jahre später startete sie als Solosängerin mit dem Album „Kim Bunlar“ („Wer sind die“) und gab ihr Debüt mit dem Lied „100 Kere 1000 Kere“ („100 Mal 1000 Mal“). Im selben Jahr heiratete sie Semi Diriker. Mit dem Lied „Unutama Beni“ („Vergiss mich nicht“) gewann sie 1974 den Toplu-Iğne-Kompositionswettbewerb des TRT („Türkische Hörfunk- und Fernsehanstalt“). Den Songtext hatte ihr Ehemann geschrieben. Zusammen mit Ertan Anapa, Funda Anapa, Melike Demirağ, Kerem Yılmazer und Iskender Doğanay gründetet sie 1978 die Musikgruppe „Grup Sekstet“. Mit ihrem Lied „Insanız Biz“ („Wir sind Menschen“) belegten sie im selben Jahr den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest. Drei Jahre später begann Esmeray mit ihrem Album „Sürpriz“ („Überraschung“), mit klassischer Musik zu experimentieren. Sie beendete 1986 ihre professionelle Musikkarriere. Im Jahre 1995 kehrte Esmeray ans Theater zurück und spielte in mehreren türkischen Theateraufführungen. Mit zwölf anderen Musikern veröffentlichte sie ein weiteres Album mit dem Titel „Eski Dostlar“ („Alte Freunde“). Sechs Jahre später wurde bei Esmeray Lungenkrebs diagnostiziert. Sie wurde drei Monate im Istanbuler Bezirk Çamlıca behandelt. Einen Monat nach ihrem Geburtstag, am 25. März 2002, verstarb sie in ihrem Haus in Acıbadem - einem Stadtteil in Istanbul. Mit zehn Langspiel-Schallplatten und sieben Kassetten hinterließ die Künstlerin ihren Fans ein musikalisches Vermächtnis. Sie wirkte in acht Filmen und mehreren Fernsehserien mit.

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