24.02.2014, Saarland, Nohfelden: Astrofotograf Sebastian Voltmer beobachtet die Milchstraße am Nachthimmel.

Nach der Verkündung des nationalen Raumfahrtprogramms der Türkei steigt das Interesse am Phänomen Weltall. In diesem Zusammenhang finden bereits hitzige Diskussionen über ein mögliches türkisches Äquivalent für das Wort Astronaut statt. Doch das Thema ist nicht neu. Das Interesse der Turkvölker an der Astronomie reicht weit zurück. Davon zeugen Quellen sowohl aus der vorislamischen Zeit als auch der Zeit danach.

Vorislamische Zeit

Als nomadisches Volk war es für die Vorfahren der Türken in Zentralasien wichtig, Wetterereignisse und Jahreszeiten im Voraus abschätzen zu können: Die Astronomie nahm einen zentralen Platz in ihrem Leben ein.

Bereits im Epos des Oghuz Khan kann man eine Neugier für Himmelskörper erkennen. Nach dieser Erzählung heiratete der legendäre türkische Herrscher Oghuz Khan eine Frau, die aus einem Licht kommt, das sich vom Himmel gen Erde herabsetzte. Die Kinder aus dieser Ehe benannte er nach Himmelskörpern: Sonnen-Khan („Gün Han“), Mond-Khan („Ay Han“) und Stern-Khan („Yıldız Han“).

Insbesondere Mond und Stern sind in der türkischen Mythologie von Bedeutung – beide Symbole findet man auf mehreren Fahnen von Turk-Staaten. Auch in der türkischen Literatur nehmen sie eine besondere Stellung ein und werden gerne als Metaphern verwendet.

Neben den Himmelskörpern war auch der Himmel selbst wichtig für die Turkvölker. Bereits vor den ersten Kontakten mit dem Islam glaubten diese an einen einzigen Gott, den sie „Köktengri“ oder „Göktanrı“ nannten (Herrscher des Himmels).


Islamischer Einfluss auf die Astronomie

Bis ins Mittelalter waren das Wissen über Astronomie und Astrologie ineinander verschmolzen. Menschen, die in diesem Bereich forschten, wurden oft als Wahrsager abgestempelt.

Inspiriert vom Koran befassten sich muslimische Wissenschaftler in der Blütezeit des Islam mit Astronomie und Astrologie, wobei sie maßgeblich zu einer klaren Unterscheidung zwischen beiden Disziplinen beitragen konnten. Insbesondere während der Zeit der Ummayaden (661-750 n. Chr.) und Abbasiden (750-1258 n. Chr.) kam es zu großen Fortschritten in der Forschung zur Astronomie. Das heilige Buch der Muslime regt an mehreren Textstellen dazu an, sich Gedanken über die Himmelskörper zu machen – diese seien ein Zeichen der Allmacht Allahs. Aus diesem Grund müssten diese von Muslimen detailliert untersucht werden.

Ermutigt von den Versen des heiligen Buches kam es zu einer noch stärkeren Erforschung des Weltalls. Der renommierte türkische Orientalist und Wissenschaftshistoriker Fuat Sezgin erforschte dazu viele Quellen, die diese Entwicklung im Detail aufzeigen.

Astronomie in der Zeit der Seldschuken und Osmanen

Unter der Herrschaft der Großseldschuken kam es zu einer institutionalisierten Auseinandersetzung mit der Astronomie. Großwesir Nizam al-Mulk ordnete die Errichtung von Bildungseinrichtungen (Medrese) an, an denen auch im Bereich Astronomie gelehrt und geforscht wurde. Auch der berühmte Theologe und Philosoph al-Ghazali lehrte an einer dieser Schulen. Er vertrat die Ansicht, dass die Macht und Existenz Gottes nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit Anatomie und Astronomie erkennbar sei. Über die Arbeiten zur Zeit der Seldschuken ist jedoch nicht viel bekannt, da diese beim Mongolensturm zerstört wurden.

Auch die Wissenschaftler im Osmanischen Reich bemühten sich, die Forschungen zu Himmelskörpern voranzutreiben. Doch nicht nur in Bildungseinrichtungen nahm Astronomie einen wichtigen Platz ein. Auch in der Literatur und Architektur finden sich viele Hinweise auf das Interesse der Türken für Planeten und den Himmel.

Die berühmte „Große Moschee von Bursa“ (Bursa Ulu Camii), dessen Bau im Jahr 1400 abgeschlossen wurde, zeigt dies deutlich. Die Kanzel der Moschee („Minbar“), auf der die Freitagspredigt gehalten wird, ist mit mehreren Reliefs geschmückt, worauf Himmelskörper zu erkennen sind.

Reliefs von Himmelskörpern auf der Kanzel der Großen Moschee von Bursa AA
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