Angesichts zu erwartender Entschädigungsforderungen mutmaßlicher Missbrauchsopfer in Frankreich hofft die Kirche nun auf Spenden  (Archivbild: Basilika Sacré-Ceur) (DPA)
Folgen

Die katholische Kirche in Frankreich setzt bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern auch auf Spenden von Gläubigen. „Ich hoffe, dass eine gewisse Zahl von Gläubigen uns helfen wird“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Eric de Moulins-Beaufort am Mittwoch dem Sender France Inter. Damit weist der die Empfehlung einer Untersuchungskommission zurück, Entschädigungen ohne den Rückgriff auf Spendengelder zu zahlen. Die Kommission hatte am Dienstag ihren Bericht über behauptete Missbrauchszahlen in der Katholischen Kirche Frankreichs vorgelegt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz verwies darauf, dass die Bischöfe bereits im März eine „finanzielle Beteiligung“ in Höhe von fünf Millionen Euro vorgesehen hatten. Die katholische Kirche in Frankreich ist anders als die Kirche in Deutschland auf freiwillige Spenden der Gläubigen angewiesen, da es keine Kirchensteuer gibt.

„Beichtgeheimnis ist stärker als die Gesetze der Republik“

Auch der Forderung der Kommission nach einer Lockerung des Beichtgeheimnisses erteilte der Erzbischof von Reims eine Absage. „Das Beichtgeheimnis ist stärker als die Gesetze der Republik“, sagte de Moulins-Beaufort. Die Kommission hatte empfohlen, Priestern, die während des Bußsakraments etwas über Missbrauchsfälle erfahren, die Anzeige der mutmaßlichen Täter zu erleichtern. Die in der Studie genannte hohe Zahl der Missbrauchsopfer hatte Schockwellen in der katholischen Kirche ausgelöst. Nach dem Bericht der Untersuchungskommission sollen in Frankreich rund 216.000 Minderjährige zwischen 1950 und 2020 Opfer sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche geworden sein. Die Zahl der behaupteten Opfer steigt dem Bericht zufolge auf 330.000, wenn Angreifer hinzugerechnet werden, die als Laien in Einrichtungen der Kirche arbeiteten, etwa an Schulen oder in Jugendgruppen.

Die Zahlen der Studie beruhen nicht auf tatsächlich gemeldeten oder angezeigten Fällen, sondern auf Hochrechnungen aufgrund von Umfragen zu sexuellen Missbrauchserlebnissen in kleineren, aber bezogen auf die Bevölkerung repräsentativ ausgewählten Samples.

AFP