Symbolbild: Landschaft im Harz (AP)

Die Harz-Region in Sachsen-Anhalt könnte erneut zum Hinterland für esoterische Gruppen mit zweifelhaften politischen Affinitäten werden. Nachdem der Verfassungsschutz bereits sogenannte völkische Siedler aus dem Umfeld der rechtsextremen „Artgemeinschaft“ ins Visier genommen hatte, hat sich nun offenbar eine weitere Sekte mit mutmaßlich ultranationalistischem Hintergrund dort angesiedelt – diesmal jedoch eine mit indischem Ursprung.

Hindu-Gruppe will Stressabbau und spirituelle Tiefe ermöglichen

Ende Oktober berichteten mehrere lokale Medien, dass die sogenannte Spiritual Science Research Foundation (SSRF) das seit längerer Zeit leerstehende „Hotel Waldesruh“ im Touristenort Allrode erworben habe. Das Geld dazu stammte aus privaten Spenden, hieß es vonseiten des Sprechers der Vereinigung, des Franzosen Cyriaque Vallee. Zur Inbesitznahme des Objekts war sogar die Präsidentin des SSRF-Weltverbandes, Bhvana Shinde, aus den USA angereist.

Wofür konkret das Anwesen genutzt werden soll, ist zum Teil noch offen. Dem Flächennutzungsplan zufolge muss das Gebäude für touristische Zwecke genutzt werden. Die Vereinigung wolle schon im nächsten Jahr Veranstaltungen abhalten – unter anderem zu „Heilung“, „spiritueller Vertiefung“ und zum „Stressabbau“.

Gründer von SSRF gründete auch terrorverdächtige Vereinigungen

Argwohn ruft bei den Medien ebenso wie beim Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Sören Brenner, der Umstand hervor, dass die Betreiber in spe einer vedisch inspirierten Wellnesseinrichtung einen fragwürdigen weltanschaulichen Hintergrund zu haben scheinen.

Dies manifestiere sich nicht nur in der Tatsache, dass sich auf der Webseite der Gruppe obskure Warnungen vor einem Nuklearkonflikt fänden, der sich bis 2023 ereignen könne. Wie auch Einrichtungsleiter Vallee nicht in Abrede stellt, fühlt sich die Trägervereinigung der sogenannten Satsang-Lehre verpflichtet, und damit auch deren Begründer.

Bei diesem handelt es sich um einen Guru namens Jayant Athavale. Neben esoterischen Wellness-Vereinigungen wie SSRF hat dieser allerdings auch politische Gruppierungen mit ins Leben gerufen, die zum Teil wenig mit spirituellen Wegen zur Erlangung inneren Friedens gemein haben.

Bombenanschläge und Mordattentate in Indien

Unter anderem ist Athavale einer der Gründerväter von „Sanatan Sanstha“, einer ultranationalistischen Hindu-Vereinigung, die seit der Endphase der 2000er Jahre bereits mehrfach ins Visier indischer Antiterror-Ermittler gelangt war.

Mitglieder von Sanatan Sanstha standen unter anderem im Verdacht, in Bombenanschläge wie jenen auf zwei Filmtheater in der Provinz Goa 2008 involviert gewesen zu sein, die von der Gruppe als „blasphemisch“ empfundene Filme gezeigt haben soll.

Mit den Mordanschlägen gegen den Kommunistenführer Govind Pansare, auf den atheistischen Aktivisten Narendra Dabholkar und die Feministin Gauri Lankesh wird die Gruppierung ebenso in Verbindung gebracht wie mit der Aufwiegelung von Lynchmobs gegen indische Muslime in der Provinz Miraj und Sprengstoffanschlägen gegen christliche Gemeindezentren in Margao.

Die Gruppierung bestritt zum Teil eine Verwicklung in diese Aktivitäten und auch der Chef der SSRF-Einrichtung im Harz, der Franzose Cyriaque Vallee, bestritt, dass es irgendwelche Verbindungen zu „Sanatan Sanstha“ gäbe. Die Autorität ihres Gründers zieht Vallee jedoch nicht in Zweifel.

Der Bürgermeister von Allrode, Wolfgang Kurch, wolle der Gruppierung vorerst „auch Luft lassen“, wie er gegenüber dem MDR erklärte. Er habe, so seine bisherige Einschätzung zu den Neuinvestoren, „bis jetzt nicht den Eindruck, dass sie jemandem schaden“. Auch der Verfassungsschutz sieht bis dato noch keinen Handlungsbedarf.

TRT Deutsch