27.07.2020, Niedersachsen, Wolfsburg: Eine Kamera hängt am Bahnhof in Wolfsburg, während im Hintergrund das große VW Logo auf der Fassade des Kraftwerkes auf dem Gelände des Volkswagen Werkes zu sehen ist. (dpa)
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Der VW-Konzern muss erneut Kritik wegen eines umstrittenen Werbeauftritts im Internet einstecken. Nachdem eine Anzeige des Unternehmens auf dem rechtskonservativen US-Nachrichtenportal „Breitbart“ erschienen war, zeigten sich einige Nutzer sozialer Netzwerke verwundert über die Platzierung. „Man sollte denken, Konzerne wie VW beauftragen nur Könner ihres Fachs“, hieß es etwa in einem Tweet vom vorigen Wochenende. Der Branchendienst „Werben & Verkaufen“ hatte am Donnerstag darüber berichtet. VW erklärte dazu: „Wir bedauern, dass es zu dieser Ausspielung kam. Volkswagen distanziert sich eindeutig von jedem extremistischen Gedankengut.“ Im Netz kursierten Screenshots, die ein grünes Exemplar des neuen E-Modells ID.3 in einer Mittelspalte der „Breitbart“-Seite zeigten.
„Es ist uns äußerst wichtig, dass keine Anzeigen in extremistischen, diskriminierenden und die Menschenwürde verletzenden Publikationen geschaltet werden“, betonte eine VW-Sprecherin nun. „Deswegen führen wir aktiv eine Liste von Publikationen, auf denen Werbeanzeigen nicht ausgespielt werden dürfen und entsprechend blockiert werden.“ Die „Breitbart“-Seite finde sich unter den Einträgen. „Wir sind dabei aufzuklären, wie diese Werbung trotz unserer klaren Vorgaben auf der Seite erscheinen konnte.“ Man werde anschließend darüber informieren.
Der Autobauer hatte im vergangenen Jahr durch ein als rassistisch empfundenes Werbevideo für den neuen Golf 8 bei Instagram einen Shitstorm ausgelöst. Ein schwarzer Mann war darin von einer weißen Hand herumgeschubst worden. VW entschuldigte sich relativ spät und überprüfte die Prozesse, die zur Beauftragung der zuständigen Agentur geführt hatten. Kontrollpannen wurden eingeräumt - Rechtsvorständin Hiltrud Werner sprach von „fehlender Sensibilität und prozessualen Fehlern“. Interne Prüfungen hätten aber keine Hinweise auf Vorsatz und Absicht oder auch gezielte rassistische Anspielungen ergeben.
Der Autohersteller war schon früher Adressat ähnlicher Kritik gewesen. Im Sommer 2018 etwa beschwerte sich ein Twitter-User: „Ich bin mir sicher, dass ‚Breitbart‘ kein passender Träger für Ihre Unternehmenswerte und -kultur ist.“ Nach der Aufarbeitung der Vorgänge um den Instagram-Clip erklärte der damalige VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann, er werde dafür sorgen, dass es Ethikschulungen gibt und ein „Diversity Board“ aufgebaut wird. Letzteres soll klare Freigabe-Standards zwischen Marketing-Abteilung und Agentur sichern. Mehr zum Thema:Trotz menschenrechtlicher Bedenken: VW verteidigt Geschäfte in Xinjiang

dpa