Ein Strand in  Muğla, Türkei

Von Feride Tavus

Mit dem größten Teil des Umsatzes im Reiseveranstalter- und Reisemittlermarkt bündelt der Deutsche Reiseverband (DRV) eine bedeutende Wirtschaftskraft. Der Tourismussektor bietet in Deutschalnd rund drei Millionen Menschen Arbeitsplätze. Wir haben mit dem Präsidenten des DRV, Norbert Fiebig, über die Folgen der Türkei-Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und die Aufhebung für türkische Urlaubsregionen gesprochen.

EU-Länder wie Griechenland und Spanien konnten von der Reisewarnung für die Türkei profitieren. Würden Sie sagen, dass unter wirtschaftlichem Aspekt auch die deutschen Urlauber davon profitiert haben? Ein Urlaub in diesen Ländern ist teurer als in der Türkei.

Norbert Fiebig: Die Corona-Pandemie hat die Welt und die gesamte Reisewirtschaft durcheinandergewirbelt. Von Mitte März bis Mitte Juni waren keinerlei Reisen möglich. Danach wurden Reisen in der EU ermöglicht. Bis heute gilt für 160 Länder außerhalb der EU – zu denen bis vorgestern auch noch die Türkei zählte – eine Reisewarnung. Jetzt sind zumindest Reisen in die beliebtesten Urlaubsregionen der Türkei wieder möglich. Wir als DRV fordern seit geraumer Zeit eine Rückkehr zu einer individuellen Betrachtung und Orientierung an den Fakten.

Die Türkei wurde trotz ihrer umfangreichen Corona-Maßnahmen vom Auswärtigen Amt als Risikogebiet eingestuft. Nun sind Tourismusgebiete in Spanien Corona-Hotspots und Deutschland hat eine Reisewarnung für diese Gebiete ausgesprochen. Wie gerechtfertigt war vor diesem Hintergrund die Reisewarnung für die Türkei und ist es noch?

NF: Das Auswärtige Amt beobachtet die Entwicklungen der Länder sehr genau und nimmt gemeinsam mit den Experten des Robert-Koch-Instituts entsprechende Einschätzungen vor – auch und gerade was Corona betrifft. Dies zu bewerten, obliegt nicht dem Deutschen Reiseverband. Die für drei Regionen in Nordspanien in der vergangenen Woche ausgesprochene Reisewarnung zeigt, wie gewissenhaft mit dem Instrument der Reisehinweise umgegangen wird.

Wegen der Reisewarnung blieben deutsche Urlauber beliebten Urlaubsorten in der Türkei wie Antalya fern. Darunter haben auch deutsche Reiseunternehmen wirtschaftlich gelitten. Konnten diese Verluste durch Urlaubsumbuchungen in Ländern wie Griechenland und Spanien wieder ausgeglichen werden?

NF: Dieser Sommer ist ein sehr schwieriger für die Reisewirtschaft. Wir befinden uns aktuell mitten in der Ferienzeit und die Buchungen machen insgesamt lediglich ein Drittel der Vorjahresumsätze zu diesem Zeitpunkt aus. Die Situation ist sehr dramatisch, da das Niveau der Neubuchungen die Verluste durch das Stornoaufkommen aufgrund der Reisewarnungen zurzeit bei Weitem noch nicht auffängt. Wenn die Reisewarnung für 160 Länder weiter bestehen bleibt, sehen wir bis Ende August Umsatzeinbußen in Höhe von 20 Milliarden Euro.

Aus Sicht der deutschen Tourismusbranche und der Urlauber: Wie schneidet die Türkei im Vergleich zu Griechenland, Spanien oder Italien im Hinblick auf Preis-Leistung und Corona-Schutzmaßnahmen ab?

NF:Trotz Corona beschäftigen sich die Menschen mit dem Thema Urlaub. Die Türkei ist bei Reisenden aus Deutschland ein sehr beliebtes Urlaubsland. Bis Mitte Mai lagen Griechenland und die Türkei bei den Buchungen noch fast gleichauf. Mit der Verlängerung der Reisewarnung für außer-europäische Ziele Mitte Juni stürzten die Türkei-Buchungen ab und steigen erst jüngst wieder langsam an – für Reisen ab September. Die Öffnung der wichtigsten Urlaubsregionen für Reisende wird hier positiv wirken – insbesondere bei Familien, die das umfassende All-Inclusive-Angebot der Türkei und das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis schon in der Vergangenheit kennen und schätzen gelernt haben. In Sachen Corona-Schutzmaßnahmen waren die türkischen Behörden sehr früh unterwegs und haben entsprechende Konzepte entwickelt und zertifizieren lassen. Das gibt Reisenden zusätzliche Sicherheit. Entscheidend ist natürlich, dass sich alle an die Regeln halten.

Danke für das Gespräch!



TRT Deutsch