Türkei: Pandemie begünstigt Online-Käufe (Symbolbild)

Der E-Commerce-Sektor in der Türkei hat während der Pandemie die steigende Nachfrage erfolgreich bewältigt. Vor einer Ausweitung des Onlinegeschäfts wird aber abgeraten. Zu diesem Ergebnis kommt die gemeinsame Studie von EY-Parthenon Consulting und dem führenden E-Commerce-Verband ETID am Samstag.

Leitende Angestellten von führenden Klein- und Mittelunternehmen (KMU) wurden zu den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie befragt. Dabei handelte sich um die Fragen nach der Leistungsentwicklung und den Einnahmen der Unternehmen zwischen Mai und Juni. Die Befragung wurde vom EY-Parthenon und ETID durchgeführt. Das berichtet „Daily Sabah“ am Sonntag.

Die hohe Leistungsfähigkeit im E-Commerce-Sektors habe die Bedürfnisse der Kunden sichergestellt, heißt es im Bericht. Das habe dazu beigetragen, die wirtschaftliche Rezession im Zeitraum März-Juni abzumildern.

Laut den Umfragedaten berichteten mehr als 78 Prozent der E-Commerce-Unternehmen einen Anstieg der Einnahmen während der Pandemie. Mehr Menschen haben Online-Einkäufe getätigt. Sie haben Produkte bestellt, die sie sonst vielleicht im Geschäft gekauft hätten.

Allerdings verzeichneten nicht alle Unternehmen steigende Einnahmen im Online-Geschäft. Der Bericht zeigt: 47 Prozent der KMU verzeichneten während der Corona-Ausgangssperre rückläufige Einnahmen – während 41 Prozent von ihnen die Einnahmen steigern konnten. Als einer der Gründe für die unzureichende Leistung der KMU wurde der Mangel an angemessenen Logistik- und Frachtkapazitäten oder Fachwissen genannt.

Schnelles Wachstum birgt Risiken für Online-Unternehmen

Insgesamt veranlasste die Pandemie viele E-Commerce-Unternehmen dazu, ihre Geschäftstätigkeit auszuweiten. Das überraschende Wachstum übte jedoch gleichzeitig einen übermäßigen Druck auf Betriebe, Lagerbestände und Versand aus.

Die Hauptprobleme, mit denen sich E-Commerce-Unternehmen konfrontiert sahen, waren der Mangel an adäquaten Lieferungen und Lieferverzögerungen. 36 Prozent der Unternehmen hatten Lieferprobleme wegen der Unterbrechungen von Lieferketten.

Lange Verzögerungen bei der Auslieferung von Online-Bestellungen durch Versandunternehmen während der Ausgangssperre wurden als zweitgrößtes Problem genannt. 38 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, sie hätten dadurch Lieferprobleme gehabt – verursacht durch die Versandunternehmen.

Das Versäumnis der Versandindustrie wird sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen. Sie seien nicht so expandiert wie die E-Commerce-Branche. Das führt laut dem Bericht zu mehr Kundenunzufriedenheit.

Die Umfrage ergab: 56 Prozent der Online-Anbieter laufen Gefahr, ihren Markenruf aufgrund ungeplanter Versand- und Lieferverzögerungen zu schädigen. Sollte das Wachstum in der Branche sich fortsetzen, könnten 50 Prozent der E-Commerce-Unternehmen einen Rückgang der Betriebsgewinne verzeichnen.

Vier von fünf Unternehmen nannten auch die Liquidität als mögliches Risiko gegen ein schnelles Wachstum. 70 Prozent der KMU gaben an, eine Liquiditätskrise könnte die Nachhaltigkeit des laufenden Betriebs gefährden.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft werde bis zum letzten Quartal des Jahres 2020 oder sogar noch länger anhalten, berichten 94 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. Die Führungskräfte erwähnten jedoch, das Verbraucherverhalten werde sich in den nächsten drei Monaten wahrscheinlich wieder normalisieren.

Online-Händler, die für stabile und nachhaltige Lieferketten sorgten, würden die Gewinner dieser Pandemie sein, so der Bericht.

Akteure, die sowohl Online-Handel als auch Einzelhandel betreiben würden gestärkt aus der Krise hervortreten. Dazu zählten auch die Unternehmen, die vor der Pandemie bereits hohe Einnahmen aus Online-Geschäften erzielten.

Das Volumen des Online-Handels in der Türkei verzeichnete von Januar bis Mai einen Anstieg von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte 63,3 Milliarden TL (9,2 Milliarden Dollar), sagte die türkische Handelsministerin Ruhsar Pekcan.

Die Branchen mit dem meisten Online-Bestellungen in diesem Zeitraum waren Haushaltsgeräte mit einem Anstieg von 75 Prozent. Bekleidung, Schuhe und Accessoires verbuchten einem Anstieg von 43 Prozent – während die Elektronik- (53 Prozent) und Softwarebranche (95 Prozent) einen Anstieg verzeichnete.

Die Ausgaben für Unterkunft gingen um 80 Prozent, für Reisen um 77 Prozent und Flugreisen um 75 Prozent zurück. Das Handelsvolumen des Onlinehandels belief sich im Jahr 2019 auf 136 Milliarden TL.

TRT Deutsch