Nach einem verlustreichen Winter kämpft TUI in der Corona-Krise um die Rettung der wichtigen Sommersaison 2020 und will Urlauber so bald wie möglich wieder an Ziele im Mittelmeer bringen. Insgesamt bleibe die Lage unsicher, sagte Vorstandschef Fritz Joussen am Mittwoch in Hannover: „Es gibt keine Zusagen, keine Planbarkeit, wann Flugreisen und Schiffsreisen aus Deutschland wieder möglich sind.“ TUI hofft, möglichst große Teile der im März fast komplett eingestellten Aktivitäten bald neu aufzunehmen. Wo Kunden ab wann Urlaub machen können, ist vielerorts allerdings noch unklar. Das Sommerprogramm ist derzeit nur zu 35 Prozent ausgebucht. „Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern“, meinte Joussen. Tausende Jobs sollen beim größten Touristikkonzern wegen steigenden Spardrucks gestrichen werden. Bisher hat TUI Deutschland alle Reisen bis 14. Juni abgesagt. Zu Spanien und Griechenland gab sich Joussen optimistisch: Sofern die Infektionszahlen regional relativ gering blieben, gebe es „keinen Grund, dass man dort nicht hinreisen könnte“. Dabei müsse Gesundheitsschutz Priorität haben. „Der Urlaub in Europa, wenn er denn sicher ist, sollte möglich sein.“ Ein gutes Signal sei, dass sich bei Buchungen für 2021 eine Verdoppelung der Nachfrage abzeichne. Eine „volle Erholung“ komme aber wohl erst 2022.

Rund 8000 Stellen werden nicht besetzt oder abgebaut
Der Tourismus gehört mit dem Luftverkehr und dem Gastgewerbe zu den Branchen, die die Pandemie am schwersten trifft. Bei TUI Deutschland sind bereits viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Konzern will die Verwaltungskosten nun um 30 Prozent drücken. Joussen sagte bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen: „Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen.“ Der TUI-Chef hatte schon eine Verschärfung des internen Sparkurses angedeutet. Nun werden die Pläne konkret. „Die Tui soll gestärkt aus der Krise hervorgehen“, erklärte er. „Aber sie wird eine andere TUI sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie.“ Im ersten Geschäftshalbjahr (Oktober bis März) verbuchte der Konzern unterm Strich 892,2 Millionen Euro Verlust und war damit mehr als zweieinhalb Mal so tief in den roten Zahlen wie im Vorjahreszeitraum. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stürzte um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank leicht um 0,6 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Verluste im Winter sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt wegen der Viruskrise jetzt aber große Probleme. Flüge und Kreuzfahrten sind ausgesetzt, viele Länder haben das öffentliche Leben eingeschränkt.

Kurz-Kreuzfahrten in der Nordsee mit nur 1000 Gästen geplant

Den Hotelbetrieb will TUI schrittweise wieder aufnehmen. Zum Schutz vor Infektionen ist etwa vorgesehen, dass Kunden online einchecken, Abstandsregeln greifen oder die Kapazitäten von Restaurants und Teilnehmerzahlen von Sport- und Unterhaltungs-Events geringer sind.

Urlaub in Deutschland dürfte bald wieder leichter möglich sein. Ganz ohne Einschränkungen wie geringere Gästezahlen dürfte der Betrieb aber unrealistisch sein. Auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern sollen die ersten TUI-Hotels in den kommenden Tagen wieder öffnen. In einigen Bereichen will der Konzern das Angebot erweitern. Eine Option: „Wir werden Mini-Kreuzfahrten machen. Wir verlegen Schiffe nach Norddeutschland.“ Es gehe um „Kurz-Kreuzfahrten in der Nordsee mit nur 1000 Gästen auf dem Schiff, um auch hier die Sicherheit zu gewährleisten“. Joussen geht insgesamt von einer Erholung aus: „Sommerurlaub in Europa kann jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden - verantwortungsvoll und mit klaren Regeln.“ Bei Geschäftsreisen erwartet er, dass Homeoffice-Erfahrungen nach der Krise zu einer geringeren Nachfrage führen. Zu Urlaubsreisen gebe es indes kaum eine Alternative: „Was wollen Sie sonst machen? Einen Film schauen“.

Konzern erhält staatlichen Kredit von 1,8 Milliarden Euro

Um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern, bekommt der Konzern über die staatliche Förderbank KfW einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro. Joussen betonte, dies sei wichtig - man müsse aber auch mit neuen Ideen eine rasche Rückkehr zu einem stabilen Geschäft gewährleisten. Derzeit flössen monatlich 250 Millionen Euro an Barmitteln aus dem Unternehmen ab. Je länger der Reisestopp gelte, desto eher würden auch Kunden ihre Anzahlungen zurückfordern. Der Mittelabfluss könne dadurch noch um 100 bis 200 Millionen Euro steigen. „Insofern müssen wir möglichst schnell versuchen, unser Geschäft wieder aufzunehmen.“

DPA