Nach Brexit-Deal und US-Hilfspaket: DAX knackt neues Rekordhoch (Reuters)

Beflügelt vom Brexit-Handelsabkommen und der Unterzeichnung des Corona-Hilfsprogramms in den USA hat der Deutsche Aktienindex (Dax) ein neues Rekordhoch erreicht. Am Montagmorgen überstieg der Dax in Frankfurt am Main die Marke von 13.795 Punkten. Seinen bisherigen Höchststand hatte der Index der 30 größten börsennotierten Unternehmen vor Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland Mitte Februar erreicht. Angetrieben wurden die Börsenkurse von der Unterzeichnung eines neuen gigantischen Hilfsprogramms gegen die Corona-Krise in den USA durch Präsident Donald Trump am Sonntag. Zuvor hatte Trump seine Unterschrift unter das zwischen Republikanern und Demokraten mühselig ausgehandelte Hilfspaket noch tagelang verweigert und damit hohe Unsicherheit geschürt. Außerdem werteten Anleger die Einigung auf das Post-Brexit-Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien positiv, die nur wenige Tage vor dem britischem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt zum Jahreswechsel erzielt worden war. Dies trieb am Montag auch die Kurse in Paris an: Der Leitindex CAC 40 gewann zum Handelsstart 0,72 Prozent hinzu; in London blieben die Börsen am Montag feiertagsbedingt geschlossen.

Deutschlands Aktienmarkt lässt 2021 Corona hinter sich

Nach dem turbulenten Corona-Jahr können sich Aktionäre 2021 wohl auf ruhigeres Fahrwasser freuen. Experten erwarten zwar erneut Rekordstände beim Dax, allerdings dürften die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Viele Analysten sagen bis zum Jahresende 2021 einen Dax-Anstieg bis auf 14.000 Punkten voraus - das wäre ein Plus von gerade einmal rund einem Prozent im Vergleich zu seinem aktuellen Rekordhoch bei 13.818,65 Zählern. „Nach jeder Pandemie kam ein Boom“, sagt Christian Kahler, Chefstratege bei der DZ-Bank. „Die Lebensfreude kehrt zurück.“ Doch es stehe noch ein halbes Jahr mit Unsicherheiten bevor, bis ein Corona-Impfstoff breit eingesetzt werden könne und die Pandemie überwunden sei. Außerdem haben die ermutigenden Nachrichten zum Thema Impfstoff die Kurse zuletzt schon beflügelt. Im Februar war der Dax zunächst auf ein Rekordhoch von knapp 13.800 Punkten gestiegen. Danach folgte der schnellste Absturz in der Geschichte des Börsenbarometers, gefolgt von einer Erholung im Rekordtempo: Seit dem Tiefstand Mitte März hat der Dax fast zwei Drittel zugelegt. Im Gesamtjahr kommt er damit auf ein Plus von etwa vier Prozent. „Das Coronajahr wird in der Jahresbetrachtung nicht auffallen“, sagt Dekabank-Experte Joachim Schallmayer. Allerdings würde das die Achterbahnfahrt im Jahresverlauf unterschlagen. „Mit Blick auf das Jahr 2021 sollten sich Anleger unserer Meinung nach für eine Post-Corona-Welt positionieren“, rät Karen Watkin, Portfoliomanagerin beim Vermögensverwalter AllianceBernstein (AB). Nach den guten Nachrichten zu verschiedenen Corona-Impfstoffen und dem Wahlsieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl dürfte die Wirtschaft sich erholen. „Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Zinssätze auf niedrigem Niveau verankert bleiben, während die Notenbanken und Regierungen eng zusammenarbeiten werden, um staatliche Konjunkturprogramme in die Wege zu leiten.“ 2020 hatten die Börsen davon profitiert, dass die Notenbanken im Kampf gegen die Folgen der Pandemie den Geldhahn bis zum Anschlag aufgedreht haben. Auch im kommenden Jahr werde weiter ausreichend Geld vorhanden sein, prognostizieren die Experten von MM Warburg. „Da die Dynamik der Geldschöpfung allerdings abnimmt, gehen wir davon aus, dass das Thema Liquidität nicht mehr so prominent als Argument für steigende Aktienmärkte angeführt werden kann wie im Jahr 2020.“ Einsparungen dürften Gewinne in die Höhe schnellen lassen

Impulse könnten von den Unternehmen selbst kommen: Viele haben das Jahr 2020 genutzt, um Kosten zu reduzieren. Wenn dann die Wirtschaft in Schwung kommt, weil ein Corona-Impfstoff die Angst vor einer Ansteckung reduziert und irgendwann auch keine Schutzmaßnahmen mehr nötig sind, dürften die Gewinne nach oben schnellen. Auch wenn die Kurse zuletzt zugelegt hätten, seien die Aktien immer noch nicht überbewertet, sagt Schallmayer. „Die Kurse haben sehr schnell angezogen, die Gewinne ziehen erst im nächsten Jahr mit. Wir sind aber sehr guter Dinge, dass die Aktien in die erhöhten Bewertungen hineinwachsen können.“ Die Experten von MM Warburg rechnen für die Dax-Unternehmen mit einem Gewinnanstieg in den Jahren 2021 und 2022 von 30 beziehungsweise 15 Prozent. „Mit diesen Zuwächsen erreichen die Dax-Unternehmen schon Ende nächsten Jahres wieder ihre Rekordwerte aus dem Jahr 2018.“ Beim Index selbst seien so bis zum Jahresende sogar 15.000 Punkte möglich. Besonders gut sind nach Einschätzung vieler Experten die Aussichten für die Firmen, die besonders unter der Pandemie gelitten hatten. Nannette Hechler-Fayd’herbe, Chefin der Investmentstrategie bei Credit Suisse, geht davon aus, dass die Tech- und Wachstumsaktien etwas an Glanz verlieren dürften und von den Industriewerten, Rohstofffirmen und Corona-Verlierern überholt werden könnten. Interessant sei etwa alles, was mit China zusammenhänge - dort ist die Pandemie überwunden und die Wirtschaft zieht an. Als Beispiel nannte sie etwa Firmen aus dem Bau- oder Rohstoff-Sektor. „Auch Luxuswerte dürften gut laufen - einerseits wegen der hohen Sparquote, andererseits wegen der günstigen Aussichten in China.“ Zudem dürften Reisewerte anziehen, wenn die Verfügbarkeit von Impfstoffen Urlaub wieder möglich mache.

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