10. November 2021, Wolfsburg, Deutschland: Das Volkswagen-Logo ist an einem Markenpavillon zu sehen. Der Absatz des VW-Konzerns in China ist im vergangenen Jahr um 14 Prozent zurückgegangen, sagte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein am Dienstag vor Journalisten in Peking. (DPA)
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Der Absatz der Volkswagen-Gruppe auf dem weltgrößten Automarkt China ist im vergangenen Jahr um 14,1 Prozent abgesackt. Als Gründe nannte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein am Dienstag den Mangel an Halbleitern und die Probleme mit Lieferketten durch die Pandemie: „2021 war eines der schwierigsten Jahre in unserer Geschichte in China.“ In diesem Jahr will VW die Verluste wettmachen. Auch will der Konzern den Absatz seiner E-Autos der ID-Familie verdoppeln.

Zugewinne lediglich im Luxussegment
Der Rückgang betraf 2021 vor allem die Volumenmarken Volkswagen und Skoda. Die Premiummarke Audi habe mit einem Minus von 3,6 Prozent weniger schlecht abgeschnitten, berichtete Wöllenstein. Hingegen hätten Porsche, Bentley und Lamborghini Absatzrekorde gefeiert. Der Gesamtmarkt legte um vier Prozent zu. Insgesamt seien 3,3 Millionen Autos ausgeliefert worden, davon 2,4 Millionen der Kernmarke Volkswagen, einschließlich der chinaspezifischen Untermarke Jetta.
Der Marktanteil, der lange bei 14 oder 15 Prozent gelegen hatte, fiel auf 11,7 Prozent. Trotzdem blieb die Marke Volkswagen die Nummer 1 bei den chinesischen Kunden. „600.000 Autos sind in der Produktion verlorengegangen“, sagte Wöllenstein und verwies auf Engpässe, die den Absatz behindert hätten. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt gewesen, aber die Nachfrage habe nicht erfüllt werden können. Der Manager verwies auf Halbleitermangel, Corona-Ausbrüche und darauffolgende Produktionsstopps sowie ein Feuer bei einem japanischen Zulieferer.

Rückstand auf einheimische Anbieter im E-Bereich
In diesem Jahr will der Konzern kräftig aufholen, wie Wöllenstein sagte. „Die Nachfrage ist weiter da.“ Während der chinesische Gesamtmarkt um vier Prozent wachsen soll, will Volkswagen um 15 oder 16 Prozent zulegen. „Wir wollen überproportional zurückgewinnen, was wir im vergangenen Jahr überdurchschnittlich verloren haben.“
Positiv soll sich auch der Absatz der Elektro-Autos der ID-Familie entwickeln. Nachdem das Ziel für 2021 von 80.000 bis 100.000 verpasst wurde und gut 70.000 verkauft wurden, will Wöllenstein die Verkaufszahlen in diesem Jahr mindestens verdoppeln. Er zeigte sich sicher, dass VW jedes ID-Auto verkaufen werde, dass gebaut werden könne.
Mit dem Übergang zu alternativen Antrieben soll die Hälfte der neuen Modelle, die in diesem Jahr in China eingeführt werden, Elektro-Autos werden. Gerade hier sind chinesische Hersteller stark, was sich aus Wöllensteins Sicht kaum ändern wird. Bis Ende des Jahrzehnts wolle VW in China jedoch auch in der E-Mobilität die Nummer 1 sein.
Die Aussichten für den größten VW-Einzelmarkt sind nach seiner Einschätzung „sehr positiv“. Mit der wachsenden Mittelklasse sei bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem Autoabsatz von jährlich 28 Millionen bis 30 Millionen zu rechnen. „Es gibt große Kaufkraft in der Gesellschaft“, sagte Wöllenstein. „Wir sind es, die Industrie, die nicht liefern können.“ Im vergangenen Jahr war Chinas Automarkt erstmals seit 2018 wieder gewachsen. Dank der starken Nachfrage nach alternativen Antrieben kletterte die Zahl der verkauften Fahrzeuge laut Branchenverband PCA auf rund 20,5 Millionen. Halbleiter-Risiken schwer einzuschätzen
Es gebe weiter Unsicherheitsfaktoren, sagte Wöllenstein. „Die Halbleiter-Risiken sind schwer einzuschätzen.“ Auch zeigte er sich über den ersten Omikron-Ausbruch in China in Pekings Nachbarstadt Tianjin und mögliche weitere Lockdowns beunruhigt. In Tianjin hat das VW-Werk vorübergehend die Produktion einstellen müssen. Oft kämen Ausgangssperren oder Produktionsstopps über Nacht, so dass Lieferketten angepasst werden müssten. Sie gingen aber auch schnell vorüber. „Es könnte allerdings eine ganze Reihe von kleineren Problemen werden.“
Wegen der Einreisebeschränkungen und der Zwangsquarantäne von drei Wochen in China sei es auch schwierig, ausländische Fachkräfte ins Land zu holen. „Ein Minimum internationaler Experten ist weiter nötig und gewollt“, sagte Wöllenstein. Es sei aber schwierig, Fachkräfte zu motivieren, nach China zu gehen – besonders wenn sie auch Kinder hätten. „Die Industrie leidet darunter.“
Der Chipmangel hinterlässt unterdessen auch bei der VW-Tochter für leichte Nutzfahrzeuge seine Spuren. Die Hannoveraner meldeten für 2021 ein Minus der Auslieferungen von 3,2 Prozent auf knapp 360.000. Bei den Modellen ergab sich ein gemischtes Bild: Während vom VW-Bus oder dem Camper-Mobil California mehr verkauft wurden, gab es beim Pick-up Amarok und vor allem beim Caddy ein Minus.

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DPA