Klopapier: Absatz steigt um 700 Prozent

Amazon braucht in der Coronavirus-Krise mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter in Deutschland. Um der Nachfrage der Menschen gerecht zu werden, seien 350 zusätzliche Voll- und Teilzeitstellen in der Logistik geplant, bestätigte ein Amazon-Sprecher. Die 350 neuen Stellen würden bundesweit geschaffen und die Zahl lasse sich nicht auf einzelne Standorte runterbrechen. In den USA hatte Amazon vor zehn Tagen die Schaffung von 100.000 Vollzeit- und Teilzeitstellen in Logistikzentren und dem Zusteller-Netzwerk angekündigt. Zudem wurde der Stundenlohn bis Ende April in den USA um zwei US-Dollar und in Euro-Ländern um zwei Euro angehoben. In Deutschland liegt er bei mindestens 11,10 Euro brutto. Für diese Lohnerhöhung veranschlagte Amazon damals 350 Millionen Dollar weltweit. Seit dieser Woche werden in Deutschland wichtige Waren des täglichen Bedarfs nicht nur im Wareneingang der Amazon-Logistikzentren, sondern auch beim Versand an die Kunden priorisiert, wie ein Sprecher der sagte. In Frankreich und Italien unterdessen nimmt Amazon gar keine Bestellungen mehr für einige Artikel an, die nicht für das tägliche Leben wichtig sind. Das hänge auch damit zusammen, dass die Mitarbeiter in den Verteilzentren mehr Abstand voneinander hielten, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, hieß es am Wochenende.

Hersteller von Toilettenpapier Gewinner in der Krise

Die Gewinner der Corona-Krise sind die Hersteller von Toilettenpapier. Hamsterkäufe beim Hygieneartikel haben den Absatz massiv erhöht. Von Februar zum März 2020 sei eine Steigerung um 700 Prozent zu verzeichnen, sagte Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), ohne genaue Zahlen zu nennen.

Das Toilettenpapier nehme beim Kaufverhalten der Deutschen eine Sonderstellung ein, so der Sprecher. Wegen der Angst, man dürfe irgendwann nicht mehr das Haus verlassen, werde gebunkert. Es entstehe eine paradoxe Situation. Böttcher: „Einige wissen nicht, wohin damit. Andere haben zu wenig.“

Bei Hygieneartikeln wie Klopapier funktioniert die Logistikkette laut Böttcher etwas anders als bei Lebensmitteln: „Sie werden in der Regel seltener nachbestellt, weil sie normalerweise weniger nachgefragt werden.“ Das hat sich von Februar zu März 2020 aber deutlich geändert. Beim Toilettenpapier habe es im Vormonatsvergleich eine Steigerung von rund 700 Prozent gegeben, sagt Böttcher: „Das überfordert jede Lieferkette.“ Die Märkte würden sich nach und nach der hohen Nachfrage anpassen sowie Frequenz und Menge erhöhen. Das Statistische Bundesamt spricht beim Toilettenpapier für die Woche vom 16. bis 22. März von einer mehr als drei Mal so hohen Nachfrage im Vergleich zu den vorangegangenen sechs Monaten. Die unterschiedlichen Steigerungszahlen erklären sich nach Worten von BVLH-Sprecher Böttcher durch die verschiedenen Datenquellen und Erhebungszeiträume. Eine „stark gestiegene Nachfrage“ nach Hygieneprodukten wie Desinfektions- und Reinigungsmitteln sowie Toilettenpapier hat auch die Drogeriemarktkette dm verzeichnet. „So erklärt sich auch, dass diese Produkte temporär in vielen Märkten nicht verfügbar waren oder sind“, sagt Geschäftsführer Sebastian Bayer. Als Konsequenz seien Maßnahmen entlang der gesamten Lieferkette ergriffen worden.

DPA