2. November 2021, Glasgow, Schottland, Großbritannien: Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, spricht während der UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow. (Reuters)

Seit ihrem Amtsantritt ist die Präsidentin der Europäischen Kommission Berichten zufolge auf 18 ihrer 34 offiziellen Reisen seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2019 mit einem Privatjet geflogen. Darunter befand sich auch ein kurzer, knapp 50 Kilometer langer Flug von Wien nach Bratislava, der mit dem Zug etwas mehr als eine Stunde gedauert hätte, wie der britische „Telegraph“ berichtet.

Der EU-Spitzenbeamtin wird nun vorgeworfen, zu einer von ihr selbst immer wieder beschworenen „Klimakatastrophe“ beizutragen, obwohl sie sich verpflichtet hat, die den Planeten erwärmenden Treibhausgasemissionen in ganz Europa zu senken. Am Dienstag leitete von der Leyen einen Runden Tisch auf dem COP26-Gipfel in Glasgow mit Premierminister Boris Johnson und US-Präsident Joe Biden.

Die EU als Ganzes hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zu verringern, um bis 2050 eine Netto-Null-Emission zu erreichen.

Aussagen von der Leyens von „Lufttaxi“-Vorwürfen überschattet

Die jüngsten Aussagen von der Leyens zu dem Thema auch auf dem COP26-Gipfel wurden jedoch von Nachrichten über ihre häufigen „Lufttaxi“-Reisen durch Europa überschattet.

Einem Bericht der Zeitung „The Telegraph“ zufolge nahm die EU-Chefin denselben Privatjet für eine Reise zwischen Lissabon und Madrid – etwa 320 Meilen – bevor sie nach Athen weiterflog.

Eine Quelle sagte der Zeitung, die Reisen seien „mit kommerziellen Flügen nicht machbar“. Frau von der Leyen soll auch im Januar 2020 in einem Privatjet nach London geflogen sein, um mit dem Premierminister über den Brexit zu verhandeln, obwohl sie mit dem Eurostar-Zug nach Brüssel zurückkehrte.

Heftige Kritik an mehreren Staats- und Regierungschefs

Es gibt einige Staats- oder Regierungschef, die diese Woche zur COP26 angereist sind und wegen ihres ökologischen Fußabdrucks heftig kritisiert werden. Privatjets haben angeblich eine unverhältnismäßige Auswirkung auf die Umwelt, da sie stündlich mehrere Tonnen Kohlendioxid (CO2) freisetzen.

In einem im Mai 2021 von der Nichtregierungsorganisation „Transport and Environment“ veröffentlichten Bericht wird behauptet, dass Privatjets pro Passagier fünf- bis 14-mal umweltschädlicher sind als kommerzielle Flugzeuge, und 50-mal umweltschädlicher als Züge.

Die Entscheidung von der Leyens, durch Europa zu jetten, wurde von Helena Bennett, einer leitenden politischen Beraterin der Green Alliance, kritisiert. Sie sagte dem „Telegraph“: „Privatjets sind eine Katastrophe für das Klima.“

Ein einziger Privatflug, so Bennett, „stößt zwei Tonnen Kohlenstoffemissionen aus, das ist ein Viertel des Kohlenstoffs, den ein durchschnittlicher Europäer in einem ganzen Jahr produziert“.

„Sehr voller Terminkalender“ als Rechtfertigung für Lufttaxis

Es gebe viele alternative Verkehrsmittel, die von den Reichen und Wichtigen genutzt werden könnten, darunter Züge und Busse, wenn nötig auch Flüge in der Economy Class, die weit weniger Emissionen pro Person verursachten. Eine Sprecherin der Kommission sagte jedoch, dass „Flugtaxis“ nur dann bestellt würden, wenn es absolut notwendig sei, „um die Anwesenheit bei Sitzungen an verschiedenen Orten mit einem sehr vollen Terminkalender zu ermöglichen“.

Und auf ihrer Reise nach Glasgow soll Frau von der Leyen immerhin mit einem Flugzeug geflogen sein, das „Biokraftstoffe“ verwendet. Diese standen jedoch bereits in den späteren 2000er Jahren im Gerede: Der Umstand, dass Nutzpflanzen wie Mais statt für die Nahrungsmittelproduktion zunehmend für die Gewinnung von Kraftstoffen genutzt wurden, trug nicht zuletzt in Lateinamerika zu einer Verteuerung wichtiger Grundnahrungsmittel bei, was nicht zuletzt ärmere Haushalte belastete.

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TRT Deutsch und Agenturen