Wirtschaft zeigt sich besorgt über AfD-Hoch / Photo: DPA (dpa)
Folgen

Wirtschaftsverbände sehen das Erstarken der AfD mit Sorge. Die akuten betrieblichen Auswirkungen wurden von den Hauptgeschäftsführern der großen Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zwar als relativ gering angesehen, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) am Sonntag zu seiner Umfrage mitteilte. Eine Ausnahme stellten aber die zunehmenden „Schwierigkeiten, in AfD-Hochburgen Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen“ dar. Diese werden von rund der Hälfte der Befragten wahrgenommen.

Deutlich größer schätzen die Verbände jedoch die langfristigen Risiken ein. Dabei stehen besonders die Herausforderungen hinsichtlich einer konstruktiven politischen Kultur im Vordergrund: Mehr als 80 Prozent sehen hier die Gefahr negativer Auswirkungen. Noch mehr Befragte befürchten, dass die Bildung einer handlungsfähigen Regierung auf Landesebene erschwert werden könnte. Negative wirtschaftliche Folgen, beispielsweise ein wachsender Fachkräftemangel, eine Abkehr vom Euro und Schäden für den Wirtschaftsstandort werden zwar auch als große Risiken bewertet – aber auf einem vergleichsweise niedrigeren Niveau.

„Der direkte Einfluss auf die Wirtschaftspolitik wird auch perspektivisch als begrenzt eingeschätzt“, schrieben die Studienautoren Knut Bergmann und Matthias Diermeier. „Sollte die AfD jedoch an die heute noch weit entfernten Schalthebel der Macht gelangen, läuten die Alarmglocken: Sowohl im Bund als auch in den Ländern wird die Partei durchweg als nicht regierungsfähig angesehen.“

Die AfD kann weitere Zugewinne in der Wählergunst verbuchen. Im neuen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Insa für die „BamS“ erhoben hat, kommt sie AfD auf 22 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. CDU/CSU bleiben bei 27 Prozent, die Ampel verharrt auf ihrem historischen Tief. Die Kanzlerpartei SPD kommt wie in der Vorwoche auf 18 Prozent, die Grünen bleiben bei 13 Prozent und die FDP kommt auf unveränderte sieben Prozent. Die Linkspartei würden fünf Prozent wählen (unverändert), die sonstigen Parteien könnten acht Prozent der Stimmen auf sich vereinen (minus ein Prozentpunkt).

Fachkräftemangel erreicht Rekordniveau

Der Fachkräftemangel in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand. Im Juli waren es nach Angaben des Ifo-Instituts . 49,7 Prozent der Unternehmen. Das waren so viele wie noch nie seit Beginn der Ifo-Konjunkturumfragen 2009. Der bisherige Rekord vom April dieses Jahres (43,6 Prozent) wurde deutlich übertroffen. „Immer mehr Unternehmen müssen sich einschränken, weil sie kein Personal finden“, sagte Ifo-Arbeitsmarktexperte Stefan Sauer.

TRT Deutsch und Agenturen