Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 955 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit bleiben die täglichen Fallzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 209.653 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Samstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 1.8., 0.00 Uhr). Am Freitag hatte die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen bei 870 gelegen. Aufgrund der steigenden Fallzahlen fürchtet das RKI eine Trendumkehr in Deutschland. Grund dafür sei Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9148. Bis Samstagmorgen hatten 192.700 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 31.7., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,06 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 31.7., 0.00 Uhr, bei 1,19 (Vortag: 1,17). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Altmaier will mit Strafen gegensteuern

Angesichts zunehmender Coronavirus-Neuinfektionen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat“, sagte Altmaier in Berlin. „Wir dürfen den gerade beginnenden Aufschwung nicht dadurch gefährden, dass wir einen erneuten Anstieg der Infektionen hinnehmen.“ Nicht nur Altmaier fürchtet derzeit eine zweite Infektionswelle und erneute stärkere Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

In den Ländern gibt es unterschiedliche Bußgeldkataloge für Verstöße gegen Corona-Regeln, etwa wenn der Mindestabstand nicht eingehalten, im öffentlichen Nahverkehr kein Mund-Nasen-Schutz getragen wird oder „Corona-Partys“ gefeiert werden. „Ich plädiere sehr dafür, dass man in Bussen und Bahnen nur zusteigen darf, wenn man eine Schutzmaske vorzeigen kann, beziehungsweise beim Einsteigen eine erwirbt, sofern man die eigene vergessen hat“, sagte Altmaier. „Wer ohne Maske Bus oder Bahn fährt, gefährdet nicht sich selbst, sondern andere. Wenn eine Party in einer engen Kellerkneipe unter Verstoß gegen alle Abstands- und Hygienevorschriften zum Super-Spreading-Event wird, ist das keine Lappalie und muss notfalls auch bestraft werden.“ Unter einem Super-Spreading-Event versteht man eine Veranstaltung, bei der sich besonders viele Menschen infizieren.

„Zweiter großer Lockdown würde alle treffen“

„Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). „Hilfsmaßnahmen wie im jetzigen finanziellen Rahmen ließen sich wohl nicht wiederholen. Daher benötigen wir jetzt höchste Aufmerksamkeit und auch Einsicht in dringend gebotene Maßnahmen wie die Maskenpflicht.“ Beim Aufflammen neuer Infektionsherde müsse „schnell, niederschwellig und differenziert auf lokaler Ebene“ reagiert werden. „Wir dürfen bei der Einhaltung der Maßnahmen gegen das Virus nicht nachlässig werden. Nur dann können wir gemeinsam eine 2. Welle verhindern.“ Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, rief dazu auf, eine zweite Infektionswelle möglichst lange hinauszuzögern. „Ein zweiter großer Lockdown für unser ganzes Land würde uns alle treffen und sicher zu einem weiteren Wirtschaftseinbruch führen. Deshalb muss alles getan werden, dass es so weit nicht kommt“, warnte er in den Funke-Zeitungen. Eine zweite Welle könnte nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der Wirtschaft mehr schaden als die erste. „Denn viele Unternehmen sind angeschlagen, haben hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Reisewarnung für Barcelona und kostenlose Tests ab Samstag

Wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Spanien warnt das Auswärtige Amt nun vor touristischen Reisen in drei Regionen des beliebtesten Urlaubslands der Deutschen. Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra, nicht aber Mallorca und auch nicht die Kanaren.

Reisewarnung für Barcelona - Kostenlose Tests ab Samstag
Reisewarnung für Barcelona - Kostenlose Tests ab Samstag (DPA)

Trotzdem ist der Schritt ein weiterer schwerer Schlag für die spanische Tourismusbranche, die zu Normalzeiten 12 Prozent der spanischen Wirtschaftskraft ausmacht. Weitere Deutsche Urlauber dürften abgeschreckt werden. Zumal auf der besonders beliebten Ferieninsel Mallorca erstmals ein Urlauber positiv auf Corona getestet wurde. Alle Rückkehrer aus dem Urlaub können sich bereits ab Samstag kostenlos testen lassen. Die Reisewarnung kommt nicht ganz überraschend. Bereits am Dienstag hatte das Auswärtige Amt von Urlaubsreisen in die drei stark betroffenen spanischen Regionen abgeraten. Das ist quasi eine Alarmstufe unter der Reisewarnung, die nun auch eine kostenlose Stornierung von Reisen ermöglicht. Die Lage verschlechterte sich aber weiter. Am Freitag meldete zunächst das Robert Koch-Institut (RKI), dass in allen drei Regionen die Grenze von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wurde und stufte sie als Risikogebiete ein. Wenige Stunden später folgte die Reisewarnung, für die dieselbe Obergrenze bei den Neuinfektionen gilt. Testpflicht für Risikogebiete ab nächster Woche Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass auch für die Rückkehrer aus Katalonien, Aragón und Navarra ab nächster Woche eine Corona-Testpflicht gelten wird: Wer aus einem solchen Gebiet kommt, muss sich dann entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Bis diese Verordnung in Kraft tritt, gilt noch: Wer aus Risikogebieten kommt, muss direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne und sich beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist. Bereits ab Samstag gilt für alle Urlauber, die aus dem Ausland zurückkehren: Jeder kann sich kostenfrei testen lassen, ob er Krankheitssymptome zeigt oder nicht. Die Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden - zum Beispiel an Teststationen an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Praxen. Teststellen soll man zudem unter der ärztlichen Servicenummer 116 117 erfragen können. Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Als Reiserückkehrer ausweisen kann man sich zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, erläuterte das Gesundheitsministerium.

DPA