05.06.2021, Syrien, Idlib: Kinder planschen bei hohen Temperaturen in einem Flüchtlingslager auf einer mit Wasser befüllten Ladefläche eines Fahrzeuges. Ein Gruppe junger Leute in dem Lager war auf die Idee gekommen, die Ladeflächen ihrer Autos für eine Abkühlung mit Wasser zu füllen. (DPA)

Die Welthungerhilfe kritisiert die mögliche Schließung des einzigen Grenzübergangs von der Türkei in die syrische Konfliktregion Idlib. 1,5 Millionen Menschen würden auf diese Weise den Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser und auch Hilfsmitteln wie Zelten verlieren, sagte der Koordinator für Syrien und die Türkei der Welthungerhilfe, Konstantin Witschel, am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Auch die angelaufene Corona-Impfkampagne würde dann nicht mehr fortgeführt werden können.

Witschel beklagte, dass sich in den letzten Monaten in der Grenzregion die Lage der vielen Flüchtlingen, die teilweise bereits „fünf, sechs und sieben Mal im Laufe des Konfliktes vertrieben wurden“, massiv verschlechtert habe. Nicht nur die Nahrungsmittelversorgung sei zu beklagen, sondern die psychische Gesundheitszustand der Menschen sei besorgniserregend. „Klar ist: Ohne politische Lösungen sind auch Maßnahmen wie Wiederaufbau nicht denkbar“, sagte Konstantin Witschel im Interview mit dem ZDF am Mittwoch.

Idlib liegt innerhalb einer Deeskalationszone, die durch ein Abkommen zwischen der Türkei und Russland geschaffen wurde. Das Gebiet war Gegenstand mehrerer Waffenstillstandsvereinbarungen, die vom Assad-Regime und seinen Verbündeten häufig gebrochen wurden.

Die nunmehrige Situation ist dadurch bedingt, dass Russland fordert, Hilfslieferungen in die letzte Oppositionshochburg nur noch offiziell über Kanäle laufen zu lassen, die unter der Kontrolle des syrischen Regimes stehen. Bis dato wurden die Konvois aus der Türkei in die Region, die Assad und seine Verbündeten wieder unter Kontrolle von Damaskus bringen wollen, von der russischen Armee in einem begrenzten Umfang hingenommen.

Russland nutzt seinen Status als Vetomacht im UN-Weltsicherheitsrat, um mitzuentscheiden, ob und inwieweit eine Versorgung Idlibs über internationalen Hilfskorridore erfolgen kann. Anfang vergangenen Jahres erzwang der Kreml die Schließung zweier Zugänge sowie eines weiteren Übergangs wenige Monate später. Mittlerweile gibt es nur noch Bab al-Hawa als Zugangsroute. Die Genehmigung für UN-Transporte über Bab al-Hawa läuft jedoch am 10. Juli aus.

Syrien wird seit Anfang 2011 von einem Bürgerkrieg heimgesucht. Hunderttausende Syrer wurden seitdem getötet und Millionen Menschen vertrieben.

TRT Deutsch und Agenturen