UNESCO: Weltweit mehr Angriffe auf Journalisten bei Protesten

Angriffe auf Journalisten, die vor Ort über Proteste berichten, nehmen weltweit zu. Allein im ersten Halbjahr 2020 wurden auf 21 Demonstrationen Pressevertreter attackiert, festgenommen oder getötet, wie die UN-Kulturorganisation Unesco am Montag erklärte. Demnach sind die Verantwortlichen meistens Polizisten und Sicherheitskräfte. Die Angriffe auf Journalisten seien Teil eines allgemeinen Trends hin zu zunehmender „rechtswidriger Gewaltanwendung“ bei Protesten, hieß es in einem Bericht der Unesco. Demnach wurden zwischen 2015 und Mitte 2020 weltweit mindestens zehn Journalisten getötet, in 125 Fällen kam es zu Angriffen oder Festnahmen. Die Reporter, die bei ihrer Arbeit getötet wurden, arbeiteten demnach in Syrien, Mexiko, Israel, Nicaragua, Nordirland, Nigeria und im Irak. Die Unesco berücksichtigte für ihre Datenerhebung Proteste in 65 Ländern. „Hunderte von Journalisten auf der ganzen Welt, die versuchten, über Proteste zu berichten, wurden schikaniert, geschlagen, eingeschüchtert, verhaftet, überwacht und entführt“, erklärte die Unesco. Auch die Ausrüstung von Journalisten sei während der Berichterstattung mutwillig zerstört worden. Die Organisation hob hervor, dass „ein Großteil der Angriffe“ von Polizisten und Sicherheitskräfte verübt worden sei. Durch den Einsatz nicht-tödlicher Munition wie Gummigeschossen oder Pfefferspray habe die Polizei dutzende Journalisten verletzt, einige seien auf einem Auge blind geworden. Die Unesco kritisierte, dass Polizisten für ihr Vorgehen gegen Reporter oft keine Strafe fürchten müssten. Einige Regierungen hätten ohnehin ein Eigeninteresse daran, eine freie Berichterstattung über Proteste im Land zu verhindern. Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay forderte die Regierungen auf, sicherzustellen, dass Journalisten ihrer Arbeit ohne Angst um ihre Sicherheit nachgehen können. „Journalisten haben eine entscheidende Rolle bei der Berichterstattung und der Informationsversorgung der Öffentlichkeit über Protestbewegungen“, erklärte Azoulay.

AFP