Libyen: Ein Kämpfer der international anerkannten Regierung schaut während militärischer Zusammenstöße mit Milizen von Warlord Haftar um eine Mauer.

Der UN-Sicherheitsrat hat grünes Licht für eine gemeinsame Beobachtungsmission der Konfliktparteien im Bürgerkriegsland Libyen gegeben. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen forderte UN-Generalsekretär António Guterres in einem internen Schreiben auf, „rasch ein Voraus-Team für Libyen einzurichten und zu entsenden“. Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Innerhalb der nächsten anderthalb Monate soll Guterres dem Sicherheitsrat über den Verlauf Bericht erstatten.
In dem nordafrikanischen Land versuchen Milizen unter dem Warlord Khalifa Haftar, die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarradsch mit militärischer Gewalt zu stürzen. Haftar hat nach einer gescheiterten Offensive auf die Hauptstadt Tripolis an Einfluss verloren. Während der Warlord von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland unterstützt wird, erhält die UN-gestützte Regierung von al-Sarradsch Hilfe aus der Türkei.
Im Rahmen der Mission sollen nun die beiden Konfliktparteien mit UN-Unterstützung erstmals gemeinsam eine Waffenruhe kontrollieren. Sie soll in einem mehrere Hundert Kilometer umfassenden Dreieck um die Küstenstadt Sirte starten und später ausgedehnt werden. Der Prozess soll nach Willen der Militärvertreter beider Lager von Libyern geführt, doch von unbewaffneten und in zivil gekleideten Beobachtern der UN unterstützt werden.
Besonders wichtig sei die Sicherung der Küstenstraße rund um Sirte, die Heimatstadt des ehemaligen Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi. Die Stadt wurde 2016 von einem Ableger der Terrormiliz Daesh kontrolliert. In der strategisch wichtigen Region zwischen den beiden Machtzentren des Landes sollen zunächst Milizen und Söldner verschwinden und gemeinsame Polizeitruppen eingesetzt werden. Sprengfallen und Minen sollen entfernt werden.
In Libyen herrscht seit Gaddafis Sturz und Tod 2011 Chaos. Nach einem hochrangig besetzen Gipfel in Berlin vor einem Jahr und militärischen Entwicklungen in Libyen selbst gibt es Bewegung bei den Versuchen, den Konflikt zu lösen.

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DPA