Der Kreml kann noch nicht abschätzen, wann die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 in Betrieb geht. „Ich glaube nicht, dass jemand jetzt ein Datum nennen kann“, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Ohne die USA direkt zu nennen, sagte er, dass durch Handlungen eines dritten Staates, die nicht den Normen des Völkerrechts entsprächen, „objektive Umstände der höheren Gewalt eingetreten“ seien.

Energieminister Alexander Nowak hatte in der vergangenen Woche davon gesprochen, dass der Start der Pipeline nach dem Stopp der Bauarbeiten erst bis Ende 2020 erwartet wird. Bisher ging Moskau lediglich von einer Verzögerung von einigen Monaten aus. Peskow stellte aber klar, dass das Projekt an sich nicht in Gefahr sei.

US-Sanktionen hatten das Projekt zunächst gestoppt, weil die Schweizer Firma Allseas aus Angst vor Strafen ihre Spezialschiffe abzog. Um die Röhren am Grund der Ostsee zu verlegen, sind spezielle Schiffe nötig. Nicht kommentieren wollte der Kremlsprecher, ob Russland seinerseits Strafzahlungen gegen Allseas verhängen wird: „Das sind kommerzielle Fragen, die nicht öffentlich diskutiert werden.“

Die USA begründeten ihr Vorgehen gegen Nord Stream 2 mit dem Schutz der Energiesicherheit in Europa. Sie warnten vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas. Mehrere EU-Staaten und die Ukraine sind gegen das Projekt. Die USA stehen in der Kritik, sie wollten ihr eigenes, teuer produziertes Flüssiggas in Europa verkaufen.

DPA