1904: Eine deutsche Maschinengewehr-Einheit im Kampf gegen die Herero. (Getty Images)

Das namibische Parlament hat die Ratifizierungsabstimmung zum Entschädigungsabkommen für die deutschen Kolonialverbrechen erneut vertagt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, hatten etwa 300 Namibier vor der Abstimmung am Dienstag das Parlament blockiert und damit ihren Unmut ausgedrückt. Der Grund: Sie kritisieren die deutschen Entschädigungszahlungen für die Morde an den Herero und Nama als unzureichend.

Vertreter der Opposition und traditionelle Anführer der betroffenen Gemeinden marschierten demnach zunächst durch die Hauptstadt Windhoek, bevor sie in das Parlamentsgebäude eintraten. Sie seien von den Verhandlungen mit Deutschland ausgeschlossen worden, zudem seien die deutschen Entschädigungszahlungen zu niedrig, beklagten sie.

„Das sogenannte Abkommen ist eine eklatante Missachtung unserer legitimen Entschädigungs- und Rückgabeforderungen“, hieß es in einer Petition. Diese übergaben die Gegner des Entschädigungsabkommens dem stellvertretenden Parlamentssprecher Loide Kasingo.

Die Bundesrepublik hatte sich am 28. Mai dieses Jahres nach mehr als 100 Jahren für ihre Kolonialverbrechen an den afrikanischen Volksgruppen der Herero und Nama entschuldigt. Es folgte eine Zusage für Entschädigungszahlungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Vielen Namibiern geht das Entschädigungsangebot Deutschlands jedoch nicht weit genug.

TRT Deutsch