Der Direktor des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge (UNRWA), Philippe Lazzarini während einer Presseerklärung / Photo: AA Archive (AA Archive)
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Der Direktor des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge (UNRWA), Philippe Lazzarini, hat die Zahl der bisher getöteten Menschen im Gazastreifen als erschütternd bezeichnet. Man könne nicht mehr von Kollateralschäden sprechen, sondern von einem Massaker an Zivilisten, so Lazzarini in einem Lagebericht (Donnerstag). Er forderte einen sofortigen Waffenstillstand und humanitäre Hilfe für die Bevölkerung.

„Ich bin gerade aus dem Gazastreifen zurückgekehrt. (...) Es war herzzerreißend. Vor allem forderten die Menschen einen Waffenstillstand. Sie wollen, dass diese Tragödie ein Ende hat“, erklärte der UNRWA-Chef. Es sei einer „der traurigsten Tage“ in seiner humanitären Arbeit gewesen.

Katastrophale humanitäre Lage in Gaza

Lazzarini war der erste hochrangige UN-Vertreter, der Gaza seit der Gewalteskalation zwischen Israel und der Hamas am 7. Oktober besuchte. Er berichtete, dass drei UNRWA-Schulen, in denen rund 20.000 Menschen untergebracht sind, von israelischen Angriffen getroffen wurden. Zudem seien bisher 72 UNRWA-Mitarbeiter getötet worden.

Die Bereitstellung humanitärer Hilfe sei äußerst schwierig, so Lazzarini weiter. Israel habe die Lieferung von Lebensmitteln, Wasser, Strom und Treibstoff eingestellt. Zudem steckten Hilfskonvois an der ägyptischen Grenze fest. Im gesamten Gazastreifen hätten 625.000 Schüler keinen Zugang mehr zu Bildung. Über 40 Prozent der Bildungseinrichtungen seien beschädigt worden.

Eine Gruppe von der UN beauftragten Experten warnte derweil auf der Website des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), dass die Zeit knapp werde, um Völkermord und humanitäre Katastrophen in Gaza zu verhindern. Das palästinensische Volk sei in „erheblicher Gefahr eines Völkermords“, so die UN-Sonderberichterstatter. Sie forderten die Verbündeten Israels auf, das blutige Vorgehen des Landes zu unterbinden.

Israelische Angriffe töten über 9000 Menschen

Israel fliegt weiterhin massive Luftangriffe auf den Gazastreifen und ist im Norden der Enklave auch mit Bodentruppen präsent. Erklärtes Ziel ist die Zerstörung der Organisation Hamas, doch immer wieder werden zahlreiche Zivilisten getötet. Rund 1,4 Millionen Menschen sind bereits in den Süden der Enklave geflüchtet. Die Einfuhr von Lebensmitteln, Wasser, Strom und Treibstoff wird von Israel blockiert. Auch Hilfslieferungen werden festgehalten.

Nach Angaben der Behörden in Gaza wurden dort seit dem 7. Oktober mehr als 9061 Menschen getötet, darunter mehr als die Hälfte Frauen und Kinder. Zehntausende weitere wurden demnach verletzt. Nach israelischen Angaben wurden im aktuellen Konflikt bisher rund 1500 Israelis getötet.

TRT Deutsch