Artilleriesysteme aufgestellt in der Karabach-Region. 

Die aserbaidschanische Armee hat nach einem intensiven Bombardement armenischer Truppen mit zivilen Opfern eine Gegenoffensive in der Karabach-Region eingeleitet. Das erklärte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntagmorgen. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew verurteilte die armenischen Angriffe: „Armenien versucht, sich illegal in den (...) besetzten Gebieten festzusetzen.“

Aserbaidschan reagierte mit eigenen Artillerie- und Luftschlägen entlang der Frontlinie von Karabach. Dabei wurden auch Militärpositionen in der Hauptstadt der Region Stepanakert ins Visier genommen. Ziel sei es, den Kampfhandlungen Armeniens ein Ende zu setzen und „die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“, heißt es aus dem Verteidigungsministerium in Baku.

Der Reaktion Aserbaidschans sollen am frühen Morgen „ausgedehnte Provokationen“ von der armenischen Seite entlang der Frontlinie vorausgegangen sein. Armenische Truppen hatten mit großkalibrigen Waffen, Artillerie und Mörsern auf militärische Stellungen und zivile Siedlungen in Aserbaidschan gefeuert. Dabei wurden laut örtlichen Informationen auch mehrere Zivilisten getötet und verletzt. Zudem sei die zivile Infrastruktur in diesen Gebieten beschädigt worden.

Auf armenischer Seite wurden Militäreinrichtungen und Fahrzeuge sowie zwölf Flugabwehrraketensysteme ausgeschaltet. Aserbaidschan habe dabei Bodentruppen, Panzer, Artillerie sowie Drohnen eingesetzt, informierte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium.

Aserbaidschans Präsident Aliyev versprach, dass die Provokationen nicht unbeantwortet bleiben würden. „Wir haben Militärfahrzeuge der armenischen Armee zerstört.“

Karte von der durch Armenien besetzten aserbaidschanischen Region Karabach. TRT Deutsch

„Verstoß gegen das Völkerrecht“ Das Außenministerium der Türkei bekundete Solidarität mit Baku und kritisierte die armenische Aggression „Wir verurteilen auf das Schärfste den armenischen Angriff an der aserbaidschanischen Frontlinie, der zivile Opfer forderte und einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt.“ Die Spannungen zwischen den beiden Staaten kochen immer wieder hoch. Armenische Einheiten hatten am 12. Juli wiederholt den Waffenstillstand verletzt. Dabei griffen sie aserbaidschanische Stellungen mit Artilleriefeuer an. Zwölf Soldaten kamen ums Leben, darunter hochrangige Offiziere. Trotz internationaler Aufrufe zur Zurückhaltung hatten armenische Truppen auch zivile Siedlungen in den Dörfern Agdam und Dondar Kuscu angegriffen. Ein 76-jähriger Aserbaidschaner war ums Leben gekommen Die beiden Kaukasus-Staaten befinden sich seit fast 30 Jahren in einem Konflikt um die Kontrolle über die Region Berg-Karabach. Nach dem Einmarsch von armenischen Truppen waren rund 20 Prozent des aserbaidschanischen Staatsterritoriums Anfang der 90er Jahre völkerrechtswidrig besetzt worden. In den vergangenen Wochen ist der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut aufgeflammt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Dörfer im Grenzgebiet angegriffen zu haben. Zuletzt hatte es im April 2016 heftige Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach gegeben. Dabei starben mehr als hundert Menschen. 2010 war die bislang letzte große Initiative für einen Frieden zwischen Eriwan und Baku gescheitert.

TRT Deutsch