Die Zahl neuer Coronavirusfälle in China ist im Vergleich zu den vergangenen Tagen am Mittwoch leicht zurückgegangen. Chinesische Behörden gaben 1.749 neue Infektionen und 136 weitere Todesfälle bekannt. Das chinesische Festland meldete insgesamt 74.185 Fälle der neuartigen Lungenkrankheit. Die Zahl der Todesfälle in China ist auf 2.004 gestiegen.

„Die Präventions- und Kontrollarbeit befindet sich in einer kritischen Zeit“, sagte der chinesische Präsident Xi Jinping am Dienstagabend während eines Telefongesprächs mit dem britischen Premierminister Boris Johnson, so chinesische Staatsmedien.

Indes sind andernorts von den ursprünglich 14 Coronavirus-Patienten in Bayern nur noch drei im Krankenhaus. Ein weiterer Betroffener aus der München Klinik Schwabing sei entlassen worden, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit.

In dem Krankenhaus befinden sich nun noch drei mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierte. Alle 14 Infektionen im Freistaat standen in Zusammenhang mit dem Stockdorfer Autozulieferer Webasto. Dort hatte eine chinesische Kollegin den Erreger im Januar während einer Dienstreise unwissentlich eingeschleppt. Mehrere Mitarbeiter und einige Angehörige steckten sich an.

Russland verhängt Einreisesperre gegen Chinesen

Während in Deutschland die Zeichen auf Entspannung stehen, verhängte Moskau aus Sorge vor einer Einschleppung des Coronavirus Sars-CoV-2 aus seinem Nachbarland eine zeitweise Einreisesperre für Chinesen. Betroffen seien von diesem Donnerstag an alle geplanten Einreisen zum Arbeiten oder für touristische und Studienzwecke, heißt es in einer Verfügung von Regierungschef Michail Mischustin. Russische Medien bezeichneten den ungewöhnlichen Schritt eines solchen „Totalverbots“ am Mittwoch als beispiellos.

Das Verbot gilt nur für chinesische Staatsbürger, nicht für andere aus China kommende Reisende, wie die Zeitung „Kommersant“ berichtete. Allein 2019 reisten 2,3 Millionen Chinesen nach Russland ein, wie das Blatt nach Angaben des Inlandsgeheimdiensts FSB schrieb, der für den Grenzschutz zuständig ist. Arbeitgeber im Osten Russlands befürchten dem Bericht zufolge nun, dass die Arbeitskräfte knapp werden könnten. In der Region arbeiten viele Chinesen im Bau und in der Landwirtschaft.

Die russische Verbraucherschutzbehörde teilte am Mittwoch mit, dass gegenwärtig in Russland mehr als 14.000 Chinesen unter medizinischer Beobachtung stünden. Damit ist gemeint, dass sie nach der Einreise zunächst medizinisch untersucht wurden.

China weist wegen „rassistischem“ Beitrag Journalisten aus

Während sich Peking auf Bekämpfung des Coronavirus fokussiert, steigen auch die Spannungen mit den USA, die unter Präsident Donald Trump in einen Handelskrieg mit China verwickelt sind. Aus Protest gegen einen als beleidigend empfundenen Kommentar im „Wall Street Journal“ zum Ausbruch der Lungenkrankheit entschied China, drei Korrespondenten der Zeitung auszuweisen. Ihnen werde mit sofortiger Wirkung die Akkreditierung entzogen, teilte der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, am Mittwoch vor der Presse in Peking mit.

Vizebürochef Josh Chin und Reporter Chao Deng, die US-Bürger sind, sowie Reporter Philip Wen, ein Australier, wurden aufgefordert, China innerhalb von fünf Tagen zu verlassen, berichtete die Zeitung. Die ungewöhnliche Ausweisung verschärft die Spannungen zwischen China und den USA. Washington war am Vortag gegen fünf chinesische Staatsmedien vorgegangen - diese werden künftig als direkte Organe der kommunistischen Führung in Peking stärker reglementiert.

Betroffen sind die Nachrichtenagentur Xinhua, der Fernsehsender CGTN, China Radio International sowie die Zeitungen „China Dail“ und das Parteiorgan „Volkszeitung“. Sie wären Teil des „Propaganda-Apparats“ der kommunistischen Partei und der Staatsführung unter Präsident Xi Jinping, sagte der US-Beamte.

Chinas Außenamtssprecher protestierte gegen die „falsche Entscheidung“. Medien spielten eine wichtige Rolle als Brücke zur Verständigung.

„China ist der wahre kranke Mann Asiens“

Auslöser der chinesischen Verärgerung ist ein Meinungsbeitrag des Kolumnisten Walter Russell Mead im „Wall Street Journal“ vom 4. Februar mit der Überschrift: „China ist der wahre kranke Mann Asiens“. Die Wortwahl erinnert an die Beschreibung des innerlich zerrissenen Chinas Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als das Land durch die Kolonialmächte ausgebeutet wurde - eine Zeit, die heute in China als das „Jahrhundert der Demütigung“ beschrieben wird.

Der chinesische Außenamtssprecher beschrieb den Titel, den die Tageszeitung gewählt habe, als „rassistisch“. Der Beitrag verunglimpfe die Regierung in Peking und die Bemühungen des Landes im Kampf gegen die Lungenkrankheit, was Empörung im Volk ausgelöst habe.

Der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) verurteilte die Ausweisung. Es sei ein „extremer und offensichtlicher Versuch der chinesischen Behörden, ausländische Nachrichtenorganisationen einzuschüchtern, indem Vergeltung gegen ihre in China ansässigen Korrespondenten geübt wird“. Der Club kritisierte eine zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in China und beklagte zunehmende Schikane, Überwachung und Einschüchterung.

TRT Deutsch und Agenturen