Gewalt gegen Kinder: Kommission fordert mehr Einsatz gegen Missbrauch. (DPA)

Mit einer „Kultur der Vertuschung“ haben die Behörden im Londoner Bezirk Lambeth über Jahrzehnte den Missbrauch von mehr als 700 Kindern in kommunalen Einrichtungen ermöglicht. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Dienstag veröffentlichter Untersuchungsbericht. Darin heißt es, dass allein zu einem Kinderheim seit den 1960er Jahren Vorwürfe von mehr als 500 früheren Bewohnern gegen insgesamt 177 Betreuer und andere Personen eingegangen seien. Trotzdem sei nur ein ehemaliger ranghoher Angestellter wegen sexuellen Missbrauchs strafrechtlich belangt worden.

Der Bezirksrat von Lambeth, unter dessen Kontrolle die Heime standen, habe zugelassen, dass Gewalt und sexuelle Übergriffe in den Kindereinrichtungen „gedeihen“ konnten und habe es versäumt, gegen bekannte Täter vorzugehen oder die dort herrschende „brutale, harte und strafende Kultur“ zu bekämpfen, urteilt der Bericht.

Auch Rassismus sei allgegenwärtig gewesen. Die amtierende Bezirksratsvorsitzende Claire Holland entschuldigte sich im Namen des Gremiums bei den Opfern. „Der Rat war für Ihre Pflege und Ihren Schutz verantwortlich, aber hat versagt - das hatte schwerwiegende Folgen“, sagte Holland.

Der Bericht legt der Polizei nahe, mindestens einen Fall von 1977 neu aufzurollen. Damals wurde ein Kind tot im Badezimmer gefunden. Der Bezirksrat verschwieg den Behörden, dass es zuvor einem Betreuer sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte.

DPA