Ein Bericht des Tech Transparency Projects zeigt, dass Facebook auch dann problematische Werbeanzeigen wie solche zu verschreibungspflichtigen Medikamenten oder Dating  genehmigt, wenn die Zielgruppe noch minderjährig ist.  (DPA)

Auf Facebook können Anzeigen für Jugendliche geschaltet werden, die Alkohol, Drogen, Glücksspiel, Rauchen oder Produkte anpreisen, die zu Essstörungen führen können. Dies geht aus einem Testkauf-Bericht der US-amerikanischen Watchdog-Organisation „Tech Transparency Project“ (TTP) heraus. TTP erstellte dazu sechs Testanzeigen und reichte diese bei Facebook ein, wobei als Zielgruppe 13- bis 17-Jährige angegeben wurden.

Facebook genehmigte alle eingereichten Anzeigen innerhalb von nur wenigen Stunden, darunter sogar eine, die für „Pillenpartys“ warb - also solche, bei denen zum Zeitvertreib willkürlich verschreibungspflichtige Arzneimittel eingenommen werden.

Katie Paul, die Direktorin des Tech Transparency Projects, übte gegenüber der News-Plattform „Wired“ scharfe Kritik an dem Social-Media-Riesen. Facebook könne Ansinnen dieser Art schnell und problemlos unterbinden und Aufträge dieser Art ablehnen. Die Verantwortlichen hätten „die Weitsicht haben sollen, dies schon vor langer Zeit zu tun“, erklärte Paul. „Ob dies ein Versehen oder Geldgier war, ist nicht wichtig. Es ist völlig inakzeptabel.“

Eine der TTP-Testanzeigen, die es durch die Facebook-Überprüfung schafften. Bei „Skittles Parties“ werfen sich Teenager Medikamente und Drogen ein, die sie zuvor ihren Eltern entwendet hatten. (Quelle: Screenshot TTP Webseite) (TTP)

Der TTP-Bericht fand zudem heraus, dass Facebook das Surfverhalten von Teenagern analysiert, um sie in Interessenkategorien für „alkoholische Getränke“, „extreme Gewichtsabnahme“ und „Tabak“ zu platzieren. Es wird sogar eruiert, ob Teenager Singles sind, damit sie allenfalls durch Anzeigen auf Dating-Seiten angesprochen werden können.

Facebooks Algorithmen tracken Nutzer und kategorisieren das Surfverhalten. Dadurch wird es möglich, personalisierte Werbung anzuzeigen oder einzelnen Zielgruppen angepasste Werbeanzeigen zu verkaufen.

Weitere getestete Anzeigen, die Minderjährige zur Zielgruppe hatten (Tech Transparency Project)

Alle Facebook-Nutzer werden in Interessenkategorien eingeordnet. Minderjährige unter 18 Jahren dürfen jedoch eigentlich nicht in bestimmte Kategorien für Erwachsene eingeordnet werden. Facebook ist erstmalig im Jahr 2014 in die Kritik geraten, nachdem es Kindern unangemessene Anzeigen gezeigt hatte. Erst 2019 fand „The Guardian“ im Wege einer Untersuchung heraus, dass Kinder immer noch als Nutzer gekennzeichnet wurden, die an Tabak und Alkohol interessiert wären.

Ende April hatte bereits die Watchdog-Gruppe Reset Australia einen ähnlichen Bericht veröffentlicht wie nun TTP. Auch sie hatte eine Genehmigung für zweifelhafte Anzeigen von Facebook erhalten. Darin hatte auch Reset Australia Alkohol, Glücksspiel und andere schädliche und riskante Produkte oder Verhaltensweisen gegenüber tausenden australischen Kindern im Alter von 13 bis 17 Jahren bewerben wollen.

TRT Deutsch