Ein Panzerfahrzeug der aserbaidschanischen Armee bei einer Militärübung. 

Aserbaidschan hat sieben Dörfer in der von Armenien besetzten Region Karabach zurückerobert. Darüber informierte der aserbaidschanische Verteidigungsminister Zakir Hasanov Medienberichten zufolge am Sonntag in Baku. Demnach wurden Gebiete in den Regionen Füsuli und Dschabrayil an der Grenze zum Iran eingenommen.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev sprach von einer Militäroperation, die auf eine Verteidigung gegen Aggressionen aus Armenien angelegt sei : „Die aserbaidschanische Armee führt gegenwärtig Schläge gegen militärische Stellungen des Gegners aus“, sagte Alijew in Baku.

Der Militäreinsatz sei eine Reaktion auf die andauernden Provokationen aus Armenien. „Unsere Sache ist gerecht und wir werden siegen“, sagte Alijew und fügte hinzu: „Die aserbaidschanische Armee kämpft auf ihrem Territorium.“

Aserbaidschans Verteidigungsminister Hasanov sagte mit Blick auf die militärische Lage: „Es werden die modernsten Waffen eingesetzt, und wir sehen keinen starken Widerstand aus Armenien. Die armenischen Streitkräfte ziehen sich zurück.“ Zuvor hatte Armenien das Kriegsrecht und die militärische Gesamtmobilmachung ausgerufen.

Der Politikwissenschaftler und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Russischen Universität der Völkerfreundschaften in Moskau, Kamran Gasanow, erklärte gegenüber TRT Deutsch, dass die Verhandlungen mit Armenien in den letzten 30 Jahren ins Leere gelaufen sind. „Pashinyan ist nicht bereit für Zugeständnisse. Unter dem Druck der ,Falken´ in den eigenen Reihen erklärt er sogar, dass KarabachTeil Armeniens wäre. Dies macht die Verhandlungen bedeutungslos.“

„Es scheint so, als wenn Aserbaidschan beschlossen hat, sich in diesem Konflikt im gleichen Stil wie Israel zu verhalten: Um Interessen und die territoriale Integrität zu verteidigen, hört Baku nicht mehr auf die Meinung externer Akteure. Militärische Übungen mit der Türkei haben dem Generalstab von Aserbaidschan wichtiges Vertrauen geschenkt“, erklärte Gasanow weiter.

Über die militärische Lage am Boden sagte Gasanow: „Aserbaidschan hat ein militärisches Übergewicht. Baku benutzt fast alle Arten von Waffen im Inventar (...). Die Eskalationsbereitschaft ist hoch. Falls die Gefechte anhalten sollten, ist Aserbaidschan durchaus in der Lage, Armenien zur Rückgabe einiger der besetzen Regionen zu zwingen. Auch wenn der Krieg aufhört, kann er nach einigen Monaten wieder ausbrechen.“

Wichtig sei jedoch die Frage, ob Baku tatsächlich bereit ist, Risiken einzugehen und wie sehr die Bereitschaft besteht, auch schwere militärische Verluste hinzunehmen. „Die aserbaidschanische Armee hat im Grunde alles, was sie braucht, um sich durchzusetzen. Sie ist zahlenmäßig besser, hat die bessere Ausrüstung und hochqualifizierte Offiziere, um erfolgreiche Schlachten zu führen“, sagte Gasanow.

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion besetzte Armenien das Gebiet und verlagerte Truppen dorthin. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht. Moskau hat dort tausende Soldaten und Waffen stationiert. Aserbaidschan hingegen betrachtet die Türkei als engen Verbündeten.

Karabach-Karte TRT Deutsch
TRT Deutsch und Agenturen