Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan und EU-Ratspräsident Charles Michel

Trotz der neuen EU-Sanktionen gegen die Türkei setzt Staatschef Recep Tayyip Erdoğan nach eigenen Worten auf eine Verbesserung der Beziehungen zur Europäischen Union. Die Türkei wolle „ein neues Kapitel“ in den Beziehungen aufschlagen, sagte Erdoğan am Dienstag in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident Charles Michel, wie das Präsidialamt in Ankara mitteilte. Allerdings versuchten „einige“, ständig Krisen in diesen Beziehungen zu „provozieren“, sagte Erdoğan demnach auch.

Die Staats- und Regierungschefs hatten im EU-Gipfel in der vergangenen Woche im Konflikt um Gas-Bohrungen im östlichen Mittelmeer neue Sanktionen gegen die Türkei verhängt. Sie reagierten damit auf die Forderungen einiger Mitgliedstaaten, angeführt von Griechenland und Frankreich. Betroffen sind unter anderem türkische Unternehmen.

Michel habe den türkischen Präsidenten angerufen, um über die Ergebnisse des Gipfels zu informieren, hieß es in der Erklärung des türkischen Präsidialamtes.

„Grundprinzipien und Werte überschneiden sich“

Erdoğan habe im Gespräch versichert, dass jeder Schritt der EU gegenüber der Türkei entsprechend bewertet und erwidert werde, so die Erklärung. Ankara wünsche sich eine „konstruktive Haltung“ der EU. Der türkische Präsident hoffe auf neue Gespräche „auf der Basis gemeinsamer Interessen“, sagte Erdoğan demnach in dem Telefonat mit Michel. Die Beziehungen müssten aus dem gegenwärtigen „Teufelskreis“ befreit werden, der durch einige EU-Mitgliedstaaten verursacht werde.

Es sei wichtig, nicht zu vergessen, dass Streitthemen wie Libyen, Syrien oder Berg-Karabach nicht die Essenz der EU-Türkei-Beziehungen darstellten. Die Grundprinzipien und Ziele in den wichtigsten Bereichen seien weitgehend identisch.

Erdoğan bezeichnete das Flüchtlingsabkommen von 2016 als Ausgangspunkt für die Bemühungen, ein „positiveres Klima“ zur EU zu schaffen.

In dem Abkommen hatte sich Ankara verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen. Im Gegenzug sagte die EU der Türkei Milliardenhilfen, eine beschleunigte Visa-Erleichterung und Modernisierung der Zollunion zu.

„Internationale Mittelmeer-Konferenz notwendig“

Angesichts des Konflikts im östlichen Mittelmeerraum betonte der türkische Staatschef, dass die Strategie der Türkei auf Fairness und Gerechtigkeit basiere. Ankara unternehme notwendige Anstrengungen für eine dauerhafte und nachhaltige Lösung

In diesem Zusammenhang schlage die Türkei immer noch eine internationale Konferenz vor. Dabei sei es wichtig, dass alle Anrainerstaaten des Mittelmeeres daran teilnehmen – auch die Zyperntürken.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU werden derzeit vor allem durch den Streit um die reichen Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer stark belastet.

Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Die griechische Seite verfolgt dabei eine maximalistische Haltung.

Die Türkei besitzt die längste Küstenlinie aller Anrainer im Mittelmeer.

TRT Deutsch und Agenturen