Heute vor zwei Jahren am 11. Juli 2018 ist das Urteil im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München gefallen. Mit fünf Angeklagten, 14 Verteidigern, 90 Nebenklägern, mehr als 600 Zeugen und 438 Verhandlungstagen ist es eines der größten und längsten Verfahren wegen Rechtsextremismus in Deutschland.

Nach einem über fünf Jahre andauernden Prozess war die Angeklagte im NSU-Prozess wegen zehnfachen Mordes für schuldig befunden worden. Sie wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem eine besondere Schwere ihrer Schuld fest. Sie habe „alles gewusst, mitgesteuert und mit bewirkt“. Zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bildeten sie den Kern der NSU.

Am 4. November 2011 überfielen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos eine Sparkassen-Filiale in Eisenach und erbeuteten 71.915 Euro. Bei ihrer Flucht wurden sie von Passanten beobachtet. Als die Polizei auf sie aufmerksam wurde, erschoss Mundlos mit einer Winchester-Pumpgun Böhnhardt, setzte dann das Fluchtfahrzeug in Brand und beging Suizid. Das ist das Ergebnis der polizeilichen Ermittlung - die Todesumstände bleiben umstritten. Für die Morde konnten sie nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Von der Mittäterschaft der vier Mitangeklagten war das Gericht überzeugt. Ralf Wohlleben wurde zu zehn Jahren wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen verurteilt – nach mehr als sechs Jahren U-Haft wurde er entlassen. André Eminger erhielt zwei Jahre Haft wegen Unterstützung der NSU – auch er war aufgrund der bereits abgesessenen U-Haft auf freiem Fuß. Ebenfalls wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilte das Gericht Holger Gerlach zu drei Jahren Haft – doch sein Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Carsten Schultze wurde aufgrund von Beihilfe zum Mord in neun Fällen zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt – und ist immer noch in Haft.

Zwischen den Jahren 2000 und 2007 wurden neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin erschossen. Hinzu kommen Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle.

Am 21. April dieses Jahres, also knapp zwei Jahre nach der Urteilsverkündung, folgte die 3025 Seiten umfassende schriftliche Urteilsverkündung.

TRT Deutsch