Der Dresdner Semperopernball-Verein macht die umstrittene Verleihung seines St. Georgs-Ordens an Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi rückgängig. Die Auszeichnung wird ihm wieder aberkannt, das entschied Ballchef Hans-Joachim Frey am Dienstag, wie Pressesprecher Holger Zastrow der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Der populäre Rocksänger Peter Maffay, der für den Mitternachts-Act beim Ball gebucht ist, hat auf die Aberkennung bestanden und sie als Vorbedingung für seinen Auftritt angeführt. Maffay stellte dem Semperopernball schließlich ein Ultimatum. Angaben dazu, wie die Aberkennung erfolgen soll, machte Pressesprecher Zastrow nicht. „Peter Maffay hat es gefordert, Hans-Joachim Frey hat ihm das zugesichert“, erklärte Zastrow gegenüber der „Bild“ am Dienstagabend.

„Ich habe dem Ball gesagt, der einzige konsequente Schritt, den ich mir vorstellen kann, ist, diesen Preis abzuerkennen. Das ist für mich die Bedingung, um am Freitag in Dresden aufzutreten. Das ist ein Ultimatum.“

Bei der Ordensverleihung in Kairo war al-Sisi als „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents“ sowie „Brückenbauer und Friedensstifter“ bezeichnet worden. Die Ehrung des ägyptischen Diktators hatte in Deutschland Proteste ausgelöst. Al-Sisi kam nach einem Militärputsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 an die Macht. Seitdem geht er hart gegen Kritiker und Oppositionelle im eigenen Land vor.

Die als Co-Moderatorin engagierte „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers sagte ebenfalls ab, wie auch die an ihrer Stelle benannte Mareile Höppner. Auch Schlagersänger Roland Kaiser distanzierte sich, entschied sich nach der Entschuldigung von Frey aber doch, durch den Abend zu führen.


„Ein dunkler Schatten“ über den Opernball

Nach Absagen von Preisträger und SAP-Gründer Dietmar Hopp und Fußballmanager Uli Hoeneß als Laudatoren hatte der Ballverein erklärt, dass es diesmal keine weiteren Ehrungen geben und komplett auf die Ordensverleihung verzichtet werde.

Vor allem die Attacken auf Moderatorin Mareile Höppner hätten ihn schließlich bewogen, doch nicht zum Ball zu kommen, teilte der Unternehmer Dietmar Hopp am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Er wolle nicht, dass er oder seine Familie „zur Zielscheibe von Hass und Bedrohung“ werden. Durch die Vergabe des St. Georgs-Ordens an al-Sisi hat sich aus Sicht von Hopp „ein dunkler Schatten“ über den Opernball gelegt.

Keine Einspannung für „Rehabilitierung eines Autokraten“

Auch das Moka Efti Orchestra, bekannt aus der Fernsehserie „Babylon Berlin“, hatte seinen Auftritt abgesagt. Der Mitteldeutsche Rundfunk zitierte die Stellungnahme der Gruppe wie folgt:

„Wir sehen uns klar in der Verantwortung für Erhalt und Förderung von Menschenrechten und Demokratie. In diesem Zusammenhang sind wir fassungslos und betrübt, dass der Semperopernball-Verein dem ägyptischen Präsidenten al-Sisi vor einer Woche den St.Georgs-Orden überreicht hat. Wir können und werden uns nicht einspannen lassen für die Rehabilitierung eines Autokraten, der international zurecht kritisiert wird für sein hartes Vorgehen gegen Oppositionelle und Kritiker, und der ausserdem die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Ägypten stark einschränkt.“

Amnesty International startet Mahnwache

Die NGO Amnesty International möchte indes aus Protest gegen die Politik des Semperopernball-Vereins vor dem Opernhaus am Freitag zwischen 16 und 20 Uhr eine Mahnwache abhalten. Der Pressesprecher der Organisation, Wassily Nemitz, erklärte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei dem Protest ausschließlich um eine Initiative handele, den Ballchef Frey in die Kritik zu nehmen. So heißt es wörtlich von Nemitz:

„Zwar hat sich Hans-Joachim Frey als Vorsitzender des Semperopernball-Vereins für die Preisverleihung im Nachhinein entschuldigt. Es erscheint aber wenig glaubhaft, dass er von den Vorwürfen gegenüber al-Sisi zuvor noch nie etwas gehört hat. Die Verleihung des Ordens kann somit entweder nur als absolut naiv oder aber als Missachtung gegenüber grundlegenden Menschen- und Bürgerrechten interpretiert werden. Beides wäre in hohem Maße bedenklich.”

Braucht Semperopernball Reformierung?

Die Linken forderten unterdessen eine grundlegende Neuausrichtung der Veranstaltung. „Für uns ist klar, dass der Ball sich verändern muss, wenn er weiter in der Semperoper stattfinden soll und mit öffentlichen Kooperationspartnern rechnen will”, sagte Linke-Landesvorsitzende Susanne Schaper.

Zu den früheren Preisträgern des St. Georgs-Ordens zählen - in unterschiedlichen Kategorien - prominente Gesichter wie José Manuel Barroso, Roman Herzog, Martin Winterkorn, Miroslav Klose und Gérard Depardieu.

TRT Deutsch und Agenturen