Für die Viehzucht in Kolumbien werden Flächen gerodet.

Erst im Jahr 2019 hatten vor allem Politiker der EU großflächige Brände im Amazonas zum Anlass genommen, vor allem an Brasilien schwere Vorwürfe bezüglich der Zerstörung von Regenwaldflächen zu richten. Nun hat der WWF einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge die Europäer selbst in erheblicher Weise zum Verschwinden tropischen Waldbestandes beitrügen.

So seien, wie aus dem Bericht der Umweltorganisation hervorgeht, EU-Importe für einen großen Teil der Abholzung von Tropenwäldern verantwortlich. Allein im Jahr 2017 hätten sich 16 Prozent der weltweiten Zerstörung von Tropenwäldern im Zusammenhang mit Handel auf EU-Importe zurückführen lassen. Der WWF-Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, bezieht sich auf die Entwicklung in den Jahren 2005 bis 2017. Die EU liege damit auf Platz zwei der „Weltrangliste der Waldzerstörer“, hinter China (24 Prozent) und noch deutlich vor Indien (neun Prozent) und den USA (sieben Prozent).

Die meisten Bestände tropischen Waldes wurden demnach für Importe von Soja, Palmöl und Rindfleisch zerstört, gefolgt von Holzprodukten, Kakao und Kaffee. In Brasilien, Indonesien und Paraguay wurde für die EU-Importe dem Bericht zufolge am meisten Waldfläche gerodet.

Innerhalb der EU sei Deutschland für das mit Abstand größte Quantum an importbedingter Entwaldung verantwortlich gewesen, heißt es in dem Bericht. Durchschnittlich wurden demnach jährlich 43.700 Hektar Wald allein für deutsche Importe vernichtet. Insgesamt gehen 80 Prozent der Waldzerstörung durch EU-Importe auf die acht größten Volkswirtschaften innerhalb der Staatengemeinschaft zurück.

Die Rodungen hatten laut WWF auch Auswirkungen auf das Klima: Durch die Abholzungen für EU-Importe seien 2017 indirekt 116 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht worden, heißt es in dem Bericht. Dies entspreche mehr als einem Viertel der EU-Emissionen aus der Landwirtschaft im selben Jahr.

Für den internationalen Handel wurden 2017 nach Angaben des WWF insgesamt 1,3 Millionen Hektar Tropenwaldes abgeholzt – davon 203.000 Hektar allein für EU-Importe. Zudem seien weltweit durch die Rodungen 740 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen freigesetzt worden.

Der WWF forderte die Bundesregierung auf, sich bei der EU für ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten einzusetzen. „Die Ära der Naturzerstörung muss enden, denn natürliche Ökosysteme wie Wälder sind unsere Lebensversicherung“, erklärte Christine Scholl, WWF-Expertin für nachhaltige Lieferketten. „Produkte, die auf dem europäischen Markt landen, dürfen nicht auf Kosten von Natur und Menschenrechten produziert werden.“

Für den Bericht wurden Daten zur Abholzung, die unter anderem aus Satellitenbildern gewonnen wurden, mit Untersuchungen der internationalen Handelsströme verknüpft.

AFP