Vom Piloten zum Lokführer: Schweizer Bahn will Piloten umschulen

Wegen der Corona-Pandemie herrscht ein Überbestand an qualifizierten Piloten bei der Fluggesellschaft Swiss Air. Die erhoffte Erholung in der Branche blieb bislang aus. Weltweit sitzen tausende Piloten nicht mehr im Cockpit. Die Lufthansa-Tochter Swiss Air prüft eine Kooperation mit der Schweizer Bahn (SBB) zur Umschulung der Piloten zu Lokführern.
Der SBB und der Rhätischen Bahn (RhB) fehlen nach eigenen Angaben 30 Lokführer am Tag. Von der Umschulung könnten beide Branchen profitieren. In der Regel dauert die Umschulung 14 bis 16 Monate.

Der Pilotenverband Aeropers und der Verband Schweizer Lokführer und Anwärter (VSLF) stehen einer möglichen Zusammenarbeit positiv gegenüber, berichten mehrere Medien. Aeropers-Sprecher Roman Kälin sagte, beide Berufe hätten viele ähnliche Anforderungen – darunter schnelle Auffassungsgabe, mentale Beweglichkeit und Belastbarkeit.

Aktuelle Situation in der Luftfahrtbranche nicht vielversprechend

Die britische Pilotengewerkschaft BALPA hingegen warnt. Es sei „unverantwortlich“, für die Ausbildung von Pilotenschülern mehr als 112.000 Euro zu verlangen und sie dann nicht zu beschäftigen.

Derzeit gibt es rund zehntausend arbeitslose Berufspiloten in ganz Europa – davon 1600 allein in Großbritannien, berichtet Wendy Pursey, die Leiterin der Personal- und Ausbildungsabteilung bei BALPA.

Die Aussichten für fast 200 Pilotenschüler, irgendwann bei easyJet eingestellt zu werden, sei ungewiss. Einige würden möglicherweise nicht einmal eine Lizenz erhalten, prognostizierte Pursey. Die aktuelle Situation in der Luftfahrtbranche sei nicht vielversprechend für Berufsanfänger.

Die Beschäftigungsmöglichkeiten würden auch nach der Pandemie sinken und viele Piloten müssten um die verfügbaren Stellen konkurrieren. Diejenigen, die eine Pilotenausbildung starten möchten, sollten daher die Situation überdenken, fügte Wendy Pursey hinzu.

TRT Deutsch und Agenturen