(Symbolbild) Wien, Österreich: Das Theater "Werk X" im Wiener Gemeindebezirk Meidling. (Others)

Die Wiener Finanzpolizei sieht sich mit einem brisanten Rassismusvorwurf konfrontiert. Beamte sollen den Besitzer des „Werk X“ wegen seines ausländisch klingenden Nachnamens „Abdullah“ genauer unter die Lupe genommen haben, wie er gegenüber der Antirassismusstelle ZARA angab. Darüber berichtete die Sendung „Wien heute“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF.

Die Finanzpolizei prüfte demnach zu Beginn der Spielsaison die Verträge von 60 Schauspielern und Mitarbeitern des „Werk X“ und stellte Geschäftsführer Ali Abdullah viele Fragen. Die Antwort auf seine Gegenfrage, warum sie aktuell ausgerechnet ihn besuchen würden: Bei einem Namen wie Abdullah müsse man genau nachschauen. So die Schilderung Abdullahs.

Der in Österreich geborene Abdullah hakte nach eigenen Angaben nochmals nach, ob diese Aussage als Scherz gemeint gewesen sei: „Und dann haben die drei Herren unisono gemeint, ‚Nein, das ist jetzt kein Witz, an die Nachnamen -ic haben wir uns gewöhnt, aber Abdullah, das ist irgendwie anders’.“

Beamte: Abdullah normalerweise „der Teppichhändler in Belgrad“
„Werk X“-Besitzer Abdullah zufolge habe ein Beamter gemeint, es könne ja auch sein, dass hier Beschäftigungen vorgetäuscht würden. Bei einem Namen wie Abdullah müsse man genau nachschauen. Denn Abdullah sei normalerweise „der Teppichhändler in Belgrad, der dann eine Scheinfirma hat“, wie Abdullah die Finanzbeamten gegenüber „Wien heute“ zitiert.
Bei der Wiener Finanzpolizei wies man den Rassismusvorwurf zurück. Nun soll eine interne Klärung des Falls stattfinden. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber „Wien heute“ hieß es: „Grundsätzlich findet vor jeder Überprüfungshandlung eine Risikoanalyse statt. Diese folgt ganz klaren Parametern, da Überprüfungen nicht willkürlich erfolgen. Es kann ausgeschlossen werden, dass Fragen der Herkunft oder des Namens in irgendeiner Form dabei eine Rolle spielen.“
Im Vorjahr gab es in Österreich 92 Meldungen zu rassistischen Vorfällen in Zusammenhang mit staatlichen Behörden und Institutionen bei ZARA. In letzter Zeit hingegen sei keine weitere Meldung speziell zur Finanzpolizei eingegangen, hieß es. Allerdings sei dieser aktuelle Fall exemplarisch für institutionellen Rassismus, wie er sehr häufig gemeldet werde. Im Werk X hat am Samstag der Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin Premiere – mit dem passenden Thema: institutioneller Rassismus.

TRT Deutsch