Archivbild: der französische Präsident Emmanuel Macron (DPA)

Für Kinder, Jugendliche und Auffrischungsimpfungen will die EU-Kommission bis zu 1,8 Milliarden Dosen des Corona-Impfstoffs der Unternehmen Biontech und Pfizer anschaffen. Doch wie die „Welt“ am Freitag berichtet, versuche Frankreich bewusst, das hierfür vorgeschriebene Prozedere zu verlangsamen. Damit wolle Paris sich „zusätzliche Vorteile“ verschaffen, indem man vom Élysée-Palast aus versuche, Produktionskapazitäten des Biontech-Impfstoffs nach Frankreich zu holen. Bislang hat kein französischer Impfstoff eine eigene Zulassung.

Der Vertrag für die Lieferung der insgesamt 1,8 Milliarden Impfdosen, von denen 900 Millionen von Dezember 2021 bis in das Jahr 2023 direkt bereitgestellt werden sollen und weitere 900 Millionen als Option für die EU reserviert würden, sei bereits komplett ausgehandelt. Der „Welt“ zufolge bereiten sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine Zustimmung zum Vorhaben vor – auch das Bundesgesundheitsministerium habe den Haushaltsausschuss des Bundestages bereits um die entsprechenden Gelder gebeten.

Der Lenkungsausschuss in Brüssel, der sich um die Impfbestellungen kümmert, warte jedoch seit dem 30. April vergeblich auf den fertig ausgehandelten Vertrag. EU-Kommissionssprecher Eric Mamer habe zwar der „Welt“ mitgeteilt, dass der Vertrag noch am Freitag oder Samstag in der Kommission verabschiedet würde. Jedoch sollen auch mehrere Personen der Zeitung gegenüber bestätigt haben, dass sich Frankreich bewusst um eine Verlangsamung des Procederes bemühe.

Mit „immer neuen Bedenken, technischen Fragen und Bitten um Klarstellung“ verzögere der französische Vertreter im Lenkungsausschuss für die Impfstoffbestellung die Entscheidungsfindung. Bezüglich der französischen Blockade und einer möglicherweise zu späten Bestellung habe ein Diplomat der „Welt“ mitgeteilt: „Das wäre eine Katastrophe, für die Frankreich verantwortlich wäre.“

Als ein möglicher Grund für das Vorgehen Frankreichs wird der innenpolitische Druck auf die Regierung gesehen. Das Land konnte bisher weder bei der Entwicklung noch bei Herstellung oder Vertrieb eines Corona-Impfstoffes Erfolge verzeichnen. Laut der „Welt“ berichtete ein Diplomat, dass sich Paris um eine stärkere Einbindung französischer Unternehmen in die Produktion von Impfstoffen bemühe. Zudem sollen Kommissionskreise bestätigt haben, dass das Land bei der Produktion des mRNA-Impfstoffes unberücksichtigt bleibe.

TRT Deutsch