Der französische Innenminister Darmanin (r.) und Ex-Staatspräsident Sarkozy

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hat dem wegen Bestechung angeklagten Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy seine Unterstützung zugesichert. „Das ist ein Mann, der der Republik viel gedient hat“, sagte Darmanin am Donnerstag im Nachrichtensender Franceinfo. „Ich denke, dass er ein sehr großer Präsident war.“ Der Innenminister hat seine politischen Wurzeln im konservativen Lager, zu dem auch Sarkozy gehört. Der Prozess gegen den Ex-Präsidenten ging am Donnerstag in seine letzte Phase. Das Urteil wird Anfang kommenden Jahres erwartet.

Der 65 Jahre alte Sarkozy muss sich mit zwei weiteren Beschuldigten wegen mutmaßlicher Bestechung und unerlaubter Einflussnahme in Paris vor Gericht verantworten. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Am letzten Verhandlungstag kam im Justizpalast zunächst der Anwalt des mitangeklagten Juristen Gilbert Azibert zu Wort, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Anklage zufolge soll Sarkozy 2014 über seinen Anwalt Thierry Herzog von Azibert Ermittlungsgeheimnisse erhalten haben.

Die Verteidigung fordert Freispruch für Sarkozy. Die Staatsanwaltschaft verlangt eine Haftstrafe von vier Jahren – zwei davon zur Bewährung. Der Prozess gilt in Frankreich als beispiellos. Es ist nach Medienberichten das erste Mal in der 1958 gegründeten Fünften Republik, dass für einen früheren Präsidenten Haft gefordert wurde. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac wurde 2011 wegen Veruntreuung und Vertrauensbruch in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt – die Anklage hatte damals aber auf Freispruch plädiert.

DPA