(Symbolbild.) Eine Überwachungskamera steht vor dem Frankfurter Hauptbahnhof. (DPA)

Die EU entwickelt eine Überwachungsplattform zur Bekämpfung von organisiertem Verbrechen. Das „Roxanne“ genannte Projekt soll Netzwerk-, Text- und Sprecheranalyse in Echtzeit anbieten, heißt es auf der Projektwebseite. Dies berichtet „Netzpolitik“ am Montag.

Neue Reisemöglichkeiten und Technologien würden die Zunahme von Netzwerken organisierter Kriminalität in der Europäischen Union, der Kampf gegen organisierte Kriminalität sei für europäische Strafverfolgungsbehörden zu einer Angelegenheit von höchster Priorität geworden, so die Projektbeschreibung. „Das EU-finanzierte Projekt Roxanne möchte neue Sprachtechnologien, Gesichtserkennung und Netzwerkanalysen miteinander kombinieren, um die Identifizierung von Kriminellen zu erleichtern“, heißt es weiter.

Ziel der Plattform sei, „Behörden durch Stimmerkennung und Sprach- und Videotechnologien“ zu stärken. Das Projekt soll im Einklang mit Interpol- und EU-Vorschriften stehen und mit realen Daten in neun EU-Mitgliedstaaten getestet werden.

24 europäische Organisationen aus 16 Ländern wirken bei „Roxanne“ mit, darunter zahlreiche Innenministerien und Behörden. Als einziger Drittstaat nimmt das israelische Sicherheitsministerium am EU-Projekt teil. Zum Konsortium gehören zudem Interpol und der Konzern Airbus.

Die Technik soll zur Überwachung von Gesprächen und Videoauswertung eingesetzt werden. Die Videodateien sollen aus öffentlichen Überwachungskameras und sozialen Netzwerken stammen und diese sollen dann mit Gesprächsmitschnitten kombiniert werden. Die Polizei will damit nach bestimmten Gesprächsteilnehmern suchen. Auch IP-Telefonie, etwa über Messengerdienste wie WhatsApp, soll mithilfe von „Roxanne“ abgehört werden.

Das von der EU mit knapp 7 Millionen Euro finanzierte Projekt wird Ende August 2022 einsatzbereit sein.

Der EU-Datenschutzbeauftragte Wiewiorowski hat noch vor zwei Wochen offiziell eine Rüge gegen Europol ausgesprochen, eines der Mitglieder des Konsortium. Europol speichere zu viele Daten – selbst Daten von unschuldigen Personen würden gespeichert werden. Die EU-Behörde würde mit dieser Praxis zudem gegen das Prinzip der Datenminimierung verstoßen.

TRT Deutsch