Energie aus Hühnermist: Bertsch erhält Kraftwerksauftrag aus der Türkei

Bertsch Energy hat den bisher größten Kraftwerksauftrag seiner 95-jährigen Firmengeschichte erhalten. Das Unternehmen soll für die türkische Gülsan Holding ein Biomassekraftwerk in Kula bei Izmir bauen. Für die Errichtung der umweltfreundlichen Abfallentsorgungsanlage erhält das Familienunternehmen 60 Millionen Euro, wie die „Voralberger Nachrichten“ berichtet.

In der Türkei wächst die Produktion von Hühnerfleisch und damit das Problem mit dem Hühnermist. Weltweit ist die Türkei der sechstgrößte Produzent in diesem Sektor. Bis Jahresende kommen 2,5 Millionen Tonnen Hühnerfleisch in der einen oder anderen Variante auf den Markt. Umgerechnet entsteht dadurch ein Abfallprodukt von 1,5 Millionen Tonnen Mist. Bislang nutzte die Türkei den Hühnermist als Dünger in der Landwirtschaft, doch die steigende Menge ist ein Problem für die Umwelt. Auswirkungen auf die Grundwasser- und Luftqualität sind nicht zu übersehen.

Der Millionen-Deal mit Bertsch Energy sieht die Entwicklung eines technischen und kommerziellen Konzepts zur thermischen Verwertung des Hühnerabfallprodukts vor. Als Generalunternehmer baut das in Bludenz ansässige Unternehmen für Gülsan nun das State-of-the-Art-Biomassekraftwerk. Am Standort Kula sollen pro Jahr 250.000 Tonnen des Problemstoffs verwertet werden.

Das Biomassekraftwerk generiert bei der Verwertung etwa 34 Megawatt klimaneutralen Strom. Zudem werden die Medikamentenreststoffe vernichtet und Asche erzeugt, deren Phosphor-Kali-Verhältnis dem eines sehr guten Düngers entspricht. Damit werde aus einem für die Umwelt extrem belastenden Problemstoff grüne Energie und aus den Reststoffen ein herausragender Dünger gewonnen, betont der Firmenchef Hubert Bertsch. Die Standards der Anlage seien konform mit den EU-Vorschriften und damit auf die europäische Energiewende ausgerichtet.



TRT Deutsch